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VORWORT
Die Neue Musik zwischen den beiden Kriegen — die Moderne der Zwanziger Jahre, die man von 1918 bis 1935 , aber auch von 1924 bis 1929 zählen kann — war 1951, als H. H. Stucken-schmidts Buch erschien, nah und fern zugleich: nah durch die Chronologie und als einzige Tradition, an die man nach der Katastrophe sinnvoll anknüpfen konnte; fern durch die Kluft, die Naziherrschaft und Weltkrieg in Deutschland gerissen hatten. Stuckenschmidts Darstellung, ergänzt durch beredte Dokumente, war demnach ein Versuch, der Öffentlichkeit der musikalisch Interessierten eine zwar unmittelbare, aber entfremdete Vergangenheit zugänglich zu machen, eine Vergangenheit, die man sich als Vorgeschichte der Gegenwart, in der man lebte, aneignen mußte, wenn nicht das musikalische Bewußtsein in die Abstraktion der Geschichtslosigkeit geraten sollte. Gegenüber den Jahren um 1950 ist die Situation, aus der heraus die Neue Musik — als Idee und als Institution — heute begriffen werden muß, so fundamental verändert, daß man geradezu zweifeln kann, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, von Neuer Musik als geschlossener, in sich zusammenhängender Entwicklung zu sprechen, die sich durch sieben Jahrzehnte von 1907 — dem Jahr des Schönbergschen Durchbruchs zur Atonalität - bis zur Gegenwart erstreckt. Die „Institution Neue Musik", die um 1950 noch gefährdet war — so daß die um Statistiken wenig bekümmerte Stützung durch den Rundfunk dringlich erschien -, ist inzwischen längst zu einem fait accompli geworden, dessen Daseinsrecht niemand ernstlich bestreitet, mag er auch als Privatperson die tönenden Gebilde, die dabei zutage treten, meiden oder verabscheuen. (Die Neue Musik gehört für viele zu den Unbequemlichkeiten, mit denen sie in einer pluraHstischen Ge-