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»Bitte, nicht bewegen, Maman, ich möchte eine Zeichnung von dir machen.«
»Was, schon wieder? Aber Henri, du hast mich doch gestern erst gezeichnet. Inzwischen habe ich mich bestimmt nicht verändert. Ich hab sicher noch dieselbe Nase, denselben Mund, dasselbe Kinn «
Die Gräfin von Toulouse-Lautrec hatte die Stickerei in den Schoß ihrer Krinoline sinken lassen und lächelte auf den kleinen Jungen herab, der vor ihr auf dem Rasen hockte. Ihr Blick glitt über den schwarzgelockten Wuschelkopf, die bettelnden braunen Augen, die fast zu groß waren für das herzförmige Gesichtchen, den zerknitterten Matrosenanzug, den eifrig über dem Skizzenbuch bereitgehaltenen Bleistift. Ihr geliebter Riri! Er war alles, was sie besaß, aber er wog auch alles Schwere auf - die Enttäuschungen, den Schmerz, die Einsamkeit. »Willst du nicht zur Abwechslung mal eine Zeichnung von Dun machen?« schlug sie vor.
»Hab ich doch schon, zweimal sogar.« Er blickte zu dem Gordon-Setter hin, der unter dem Tisch döste, die Nase zwischen den Pfoten. »Außerdem schläft Dun ja, und wenn er schläft, hat er keinen Ausdruck. Ich mag dich jedenfalls viel lieber zeichnen. Du bist schöner.«
Ernsthaft nahm sie das kindliche Kompliment hin. »Also gut. Aber nur fünf Minuten! Keinen Augenblick länger.« Mit einer anmutigen Bewegung hob sie den breitrandigen Gartenhut von ihrem glatten braunen Haar, das in der Mitte gescheitelt war und sich wie zwei dunkle gefaltete Schwingen über ihre Ohren legte. »Es ist nämlich Zeit für unsere Ausfahrt. Joseph muß gleich kommen. Wohin wollen wir denn heute?«
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