Bővebb ismertető
Einleitung
Der Einfluß des Frühwerks von Lukács auf die linke Intelligenz im Deutschland der Weimarer Zeit ist bekannt: auf den literarischen Aufsätzen „Die Seele und die Formen" (1911) und „Die Theorie des Romans" (1916), dessen Untertitel, ,,ein geschichtsphilosophischer Versuch über die Formen der großen Epik", den Inhalt charakterisiert, bauend, wird in ,.Geschichte und Klassenbewußtsein" (1923) eine hegelianische Rekonstitution des Marxismus erreicht. Gegen sozialdemokratischen Reformismus wie leninistische Pragmatik, gegen alle Formen von Dogmatisierung des Vulgärmaterialismus wie des voluntari-stisch-revolutionären Aktivismus betont Lukács den Eigensinn von Geschichte in ihrer dialektischen Struktur, ihre Erkennbarkeit durch Marxens die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft blanklegenden Arbeiten und die Möglichkeiten des Proletariats, sich aus der Umklammerung durch die Verdinglichung innerhalb der kapitalistischen Produktion zu befreien. Dieser große Entwurf hat die theoretische Diskussion der Linken bis heute beeinflußt: Bloch wie Benjamin, Borkenau und Korsch, Horkheimer und Adorno, Marcuse wie Sohn-Re-thel sind die deutlichsten Zeugen dafür. Ja, es hat innere Logik für sich, wenn L. Goldmann, der das Werk Lukács' in Frankreich eingeführt hat, hartnäckig behauptet, daß Heideggers ,,Sein und Zeit" (1927) sich unausgesprochen, aber deutlich auf die Geschichtsmetaphysik des Verdinglichungsaufsatzes von Lukács beziehe. In der Tat: wenn Heidegger universalhistorisch den Verlust des Seins und damit eine Fehlentwicklung der Geschichte schon in der griechischen Aufklärung diagnostiziert, wenn Horkheimer/Adorno später, in der ,,Dialektik der Aufklärung" (1944), die negativen Folgen der Fortschrittsrationalität ins Licht stellen, so kann man - zumindest ideengeschichtlich - die Ursprünge dafür - d.h. ein Thema, das durchaus nicht ,.erledigt" ist, vielmehr in der ökologischen Krise der Gegenwart auf niedrigerem Niveau in zahlreichen Traktaten als Substanz erscheint - bei Lukács und seinem Versuch finden, die notwendigen Antinomien bürgerlichen Denkens, aber auch das verdinglichte Bewußtsein des Proletariats welthistorisch zu verstehen und zu überwinden.