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EINLEITUNGNikolai Karamsin berichtet in den Briefen eines russischen Reisenden" unter dem Datum des 6. Juli 1789 aus Berlin, daß er an diesem Tage den Fremdenführer gebeten habe, ihn zu Moritz zu führen. Wer ist das, Moritz?" fragt jener. Wer das ist? Philipp Moritz, der Schriftsteller, der Philosoph, der Pädagog, der Psycholog." Aber der Lohndiener weiß mit Namen und Attributen nichts anzufangen; umsonst müht er sich, im Adreßkalender der preußischen Hauptstadt die Rubrik Philosophen" zu finden. Suche ihn lieber unter den Professoren, da der Titel ,Liebhaber der Weisheit' in Berlin nicht so bekannt ist." Als Karamsin dann dem Herrn Professor gegenübersteht, ist er überrascht: der Verfasser des Anton Reiser", dem er hohe Achtung entgegenbringt, ist ein junger Mann von nicht mehr als dreißig Jahren mit frischen und roten Wangen".Knappe vierzig Jahre später ist das Buch, dessen Ruf bis in die Kreise russischer Aufklärer gedrungen war und das Karamsin, zusammen mit den Bekenntnissen" Rousseaus und Jung-Stillings Jugendgeschichte, allen systematischen Psychologien der Welt" vorzog, in Deutschland fast vergessen, und mit ihm der Autor. Heinrich Heine erwähnt es in dem 1827 veröffentlichten Reisebild Die Nordsee. Dritte Abteilung", wobei er in seiner Erinnerung den zweiten Vornamen des Autors auf den Titelhelden überträgt: Philipp Reiser" sei ein schon verschollener Roman des seligen Hofrats Moritz. Die Bemerkung, die Heine anschließt, verrät, daß er den Anton Reiser" gut zu lesen gewußt hatte: er enthalte die Geschichte des Verfassers oder vielmehr die Gcschichte einiger hundert Taler, die der Verfasser nicht hatte und wodurch sein ganzes Leben eine Reihe von Entbehrungen und Entsagungen wurde, während doch seine Wünsche nichts weniger als unbescheiden waren, wie z. B. sein Wunsch, nach Weimar zu gehen und bei dem Dichter des ,Werthers' Bedienter zu werden, unter welchen Bedingungen es auch sei, um nur in der