Bővebb ismertető
Vorwort
Vor kurzem war ich in Rom, und unser Botschafter, Gaston Palewski, bat mich, beim italienischen Fernsehen im Palazzo Farnese mitzuwirken.
Als der Sprecher mich aus heiterem Hímmel fragte, ob Modigliani verrückt gewesen sei, antwortete ich, dass er es nach unseren heutigen Begriffen wohl ge-wesen sein miisse, da er seine Bilder verschenlite, statt sie zu verkaufen. Diese Le-gende von Modiglianis Geistesgestörtheit berührt uns, die wir mit ihm lebten, clen Maler und den Dichter (namlich Picasso und mich), ausserordentlich seltsam.
Am Montparnasse konnten wir es uns leisten, arm zu sein. Die Armut dieser Lebensperiode war eine Art Luxus. Heute ginge das nicht mehr. Die Armut wáre zu teuer.
So kommt es wohl, dass man uns den liebenswürdigen Modigliani im theatra-lischen Kostüm der Tragödie zeigt. Nun, Modiglianis menschliche Tragödie hat nichts mit seiner Maierei zu tun.
Wir kannten ihn immer stolz und erfüllt von jenem wahren Reichtum, mit dem er die langgezogenen Bildnisse seiner Freunde malte. So ging er im Café de la Rotonde wie ein Wahrsager von Tisch zu Tisch.
War er schön? Wenn Gérard Philippes Schönheil die Norm ist, möchte ich es bezweifeln. Er war es auf andere Art. Und seine grimmigen Züge schienen über die Ldcherlichkeiten dieses Daseins zu spotten.
Jeder kennt die Schicksale meines Portráts, dessen Preis in Amerika von fünf Francs auf mehrere Millionen stieg. Dieses Portréit entstand in dem Atelier, das Kisling mit Modigliani in der Rue Joseph Bara teilte. Irgendwo gibt es noch ein Bild Kislings, das mich darstellt, wie ich für Modigliani sitze, wahrend er mich mait und Picasso im schwarz-weiss karierten Hemd hinter uns an einem Tisch zeichnet.
Wie einfach und leidenschaftlich erfüllt unser Leben damals war!
Modigliani ist das Beispiel clafür. Er trank. Aber wer trank nicht? Wenn der Morgen graute, wollte er nicht zu Bett gehen. Er taumelte, lachte, tanzte einen Bárentanz vor Rodins Balzac-Denkmal und entrollte eine kilometerlange rote Bin-de, deren Ende Kisling wie ein Kindermadchen in der Hand hielt.
Wir bummelten, und aus diesem Bummeln erwuchs eine unvergleichliche Flamme, deren Widerschein heute noch die Erinnerung an die Jugend erhellt.