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REDE UNTER DEM GALGENVon Ilse AichingerGeh weg! Was soll die Eile, wieviele hängst du heute? Bin ich nicht der letzte? Und dann? Was hast du vor, daß du so eilen mußt legst du dich nieder? Ich auch, Bruder, ich auch, wir legen uns beide nieder. Daß du mir nachher nicht in meinem Traum erscheinst, du siehst so ängstlich aus, ich könnt erschrecken und wäre früher wach als du. Geh weg mit deinem Strick!Und ihr da unten? Um welche Ecken hat euch der sanfte Morgenwind geblasen? Ihr solltet auch nicht um Müch gehen, wenn es so windig ist, die Sanftmut täuscht. Bin ich nicht auch nur um die Milch gegangen, als mich die Mutter schickte? Aber ich bin zufrieden, ihr nicht?Ihr steht zu sehr im Schatten, da imten in dem Hof ist es so finster. Kommt doch zu mir herauf, damit ihr seht, wie farbig eure eigenen Röcke sind, wie grell das Weiß von euren Blusen leuchtet wie Feuer soviel Unschuld erträgt der Himmel nicht! Kommt doch zu mir, daß eure Wangen röter breimen, und wartet nicht, bis erst die Sonne, vom Schweiß erstickt, in alle eure Winkel kriecht. Hier oben ist sie früher. Hier ist ihr Lachen ehrlich imd ihre Glut noch kühl, hier spielt sie mit dem Wind, bevor sie ihn erstickt, hier ist er noch ihr Bruder, imd ich sage euch: Hier weht die Sonne noch, hier glänzt die Luft. Und ist es auch der letzte Tag, so ist's die erste Stimde!Laßt eure Kinder schreien, kommt herauf! Steht nicht so still da unten, starrt nicht so gierig her zu mir, Höfe und Scheunen hab ich angezündet, damit ich hier auf diese Bretter darf, tmd viele Nächte lang bin ich allein gewesen, in jeder so allein wie auf dem Grund der See, auf den kein Funken mehr von meinem eigenen Feuer