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Mittelalterliche Glasmalerei
aus dem Hohen Chor des Erfurter Doms
Der Chor des Erfurter Domes wurde 1349 begonnen und noch vor 1372 geweiht. In den 15 vierbahnigen und mit drei Ausnahmen 18 m hohen Fenstern sind 1 108 farbige Scheiben angeordnet. 895 davon stammen noch aus dem Mittelalter. Der Zyklus entstand von etwa 1370 bis gegen 1420 und setzt sich aus drei Gruppen zusammen. Zuerst wurde von etwa 1370 bis um 1380 die kleinfigurige Gruppe mit acht Fenstern hergestellt. Sie umfaßt auf der Südseite Darstellungen aus der Schöpfungsgeschichte, aus dem Leben der Erzväter Abraham und Jakob sowie aus der Lebensgeschichte Josephs und auf der Nordseite Szenen aus der Passion Christi, zu den Apostelmartyrien sowie die Legenden der Hl. Katharina und des Hl. Eustachius (Titelbild und Abb. 1-5). Kennzeichnend für diese Gruppe sind kleine gedrungene Figuren, die sich in raumhaltigen Architekturgerüsten lebhaft bewegen.
Zu einer weiteren Verglasungsperiode gehören das Marien- und Apostelfenster aus der Zeit von 1390 bis um 1400. Hier tritt die Einzelfigur unter mehrzeiligen Baldachingehäusen in den Vordergrund (Abb. 6). Den Abschluß bildet eine weitere Gruppe von drei Fenstern, in denen großfigurige Szenen auffallen. Dazu gehören auf der Südseite das vom Vikar Johann von Tiefengruben 1403 gestiftete verkürzte Fenster und auf der Nordseite die etwa 1410 entstandenen, nach dem Brand der Domtürme 1416 bis etwa 1420 z. T. vollständig ergänzten Bonifatius- und Heilig-Kreuz-Fenster (Abb. 7, 8).
Die neun ausgewählten Darstellungen zeigen in typischen Beispielen die frische Gestaltungskraft und reiche Erfindungsgabe der anonymen Meister. Sie vermitteln aber auch einen Eindruck von der Schönheit und besonderen Eigenart der im Licht aufstrahlenden Bilder aus farbigen Glasstücken, die mit Schwarzlot bemalt sind und von Bleiruten zusammengehalten werden.
Titelbild: Eustachiusfenster (1375 bis gegen 1380) nVI 2-3 a-c. Stifter mit Verkündigungszene und Gottvater
Grundriß und Bezeichnung der Fenster