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Wenn jemand behaupten sollte, das alte Berlin sei schön gewesen, glaubt ihm nicht. Sogar in der Innenstadt gab es nur wenige Straßen und Plätze, welche die Bezeichnung „schön" wirklich verdienten. Als Ganzes genommen war die Hauptstadt ebenso häßlich wie die anderen deutschen Industriegroßstädte. Überall hatte die hemmungslose Profitgier der Grundstücks- und Häuserspekulanten die Städte unwohnlich werden lassen. So hausten um 1910 rund 70 Prozent aller Berliner Arbeiterfamilien in licht- und luftlosen Hinterhofwohnungen.
Damals, zur Zeit unserer Großväter, wäre es vermessen gewesen, von einer „Kunst am Wege" zu sprechen. Was am Wege lag, war alles andere als Kunst. Wer durch die Straßen ging, begegnete allenfalls einer Art Kunstersatz. Er sah zum Beispiel vier- und fünfgeschossige Wohnhäuser, an deren Fassaden sich alle möglichen Schmuckformen der Vergangenheit ein Stelldichein gaben. Es war wie auf einem Maskenball: Die Mietskaserne hatte sich als Renaissance-Palazzo verkleidet, das Postamt und das Bahnhofsgebäude sahen aus wie gotische Burgen, und das Tanzlokal an der Ecke wollte glauben machen, es sei zur Zeit des Rokokos gebaut worden.
Große Teile dieses alten Berlins sind im Bombenhagel des zweiten Weltkriegs zugrunde gegangen. Was 1945 noch stand, hat es sich inzwischen gefallen lassen müssen, gründlich modernisiert zu werden. So ist es heute fast unmöglich, eine Straße zu finden, die noch genau die gleichen Lebensbedingungen bietet wie zu der Zeit, als sich die Damen ein Kissen, einen „Cul de Paris", auf den Popo banden und die Herren die Schnurrbartspitzen in die Höhe zwirbelten. Selbst jene Viertel, welche damals als besonders ungesund galten, sind inzwischen um vieles wohnlicher geworden.
Manchmal bedauert man es, daß nicht wenigstens ein ein-