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Maria Magdalena nennt ihr mich. Ihr sollt mich bei meinem richtigen Namen nennen: Mirjam. In Aramäisch, meiner Muttersprache, bedeutet Mirjam: die Schöne und auch die Bittere. Auf mich trifft beides zu: schön war ich, und viel Bitterkeit war in mir von Jugend auf, bis ich Jeschua traf, und neue Bitterkeit wurde mir zugeteilt, als er getötet wurde. Magdala ist der Name der Stadt, aus der ich stamme. Ein Städtchen im GaHl, eine Anhäufung weißgekalkter Steinwürfel, so weiß, daß sie in der Sonne blenden und im Mondschein leuchten. Eine Händlerstadt, eine Stadt der starken Gerüche, Gestank und Duft gemischt: Fischgeruch vom See Kineret her und vom Salzplatz, Duft nach Waren, mit denen mein Vater Großhandel trieb: Sandelholz, Myrrhe, Balsam, parfümiertes Olivenöl, dazu der Geruch nach Kamelmist und Eselsurin und der Schweißgeruch der Männer, der Händler und Karawanenführer, die aus der Wüste kamen. Wenn der Nordwind wehte, blies er die Luft rein, dann roch die Stadt für eine Weile nach Wüste und nach dem Schnee auf dem fernen Her-mon. Meine Heimatstadt. Von den Fischen hat sie ihren alten Namen: Migdal Nunaja, Fischburg. Die Griechen, die in der östlichen Nachbarprovinz lebten, in der Dekapohs, nannten sie Tarichaia, und auch dieser Name hängt mit den Fischen zusammen. Als ich, lange nach Jeschuas Tod, in meiner Höhle lebte in jenem Landstrich, den man die Provincia nannte, weit weg von meiner Heimat, weit weg vom Schauplatz des