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VERZEICHNIS DER TAFELN Mit Erláuterungen von Dr. Heinz Keller, Konservator des Kunstmuseums Winterthur. GERARD DÁVID Geboren um 1460 in Oudewater bei Gouda (Holland). 1484 als Meister in die Lucasgilde zu Brügge aufgenommen, wo er bis zu seinem Tode, 1523, tatig war. 1515 Aufenthak in Antwerpen. MARIA MIT DEM LEICHNAM CHRISTI Oel auf Holz 8o .-5/ cm. In Brügge reichte von Jan van Eyck eine ununterbrochene künstlerische Tradition bis in das sechzehnte Jahrhundert hinein. Zum letzten grófién Meister dieser Reihe wurde der Hollánder Gerard Dávid. Wáhrend an anderen Orten unter dem Eindrucke der italienischen Maierei schon ein neuer Stil entstand, schlofi er sich in dem konservativen Brügge noch eng an die Ideale seiner Vorláufer an. Was seine Pietá mit der Vergangenheit verbindet, ist die minuziöse Naturtreue, die jede Pflanze bei ihrem Namen nennt, und die gotische Vorliebe für grazile Formen in Körperbildung und Gefált. Dazu tritt die für Gerard Dávid so bezeichnende Dámpfung aller Gefühlsáufierungen und eine aristokratische Kühle der Farben; der verhaltene Schmerz der Maria und die Beschránkung auf Blau- und Grüntöne sind nur verschiedenartige Aufierungen derselben Temperamentsanlage. - Der Künstler wiederholt in dieser Komposition unter mannigfachen Veránderungen das Mittelstück eines Altares, der sich heute in amerikanischem Privatbesitz befindet. Lit.: Max J. Friedlánder, Die altniederlándische Materei, Bd. VI, 1928, SS. 95 und 14.4, Nr. 163a. JEAN-BAPTISTE SIMEON CHARDIN Geboren 1699 in Paris. Schüler von Pierre Jacques Cazes, Noél-Nicolas Coypet und Jean-Baptiste Van Loo. Bis zu seinem Tode 1779 in Paris tatig. PAN1ER DE PRUNES ET GOBELET D'EAU Oel auf Leinivand JŐ.J : 45 cm. Signiert und datiert l. u. Chardin 1739. Chardins Maierei steht fern von allém, was man sich unter französischer Kunst des Rokoko vorstellt. Viel náher als zu seinen Zeitgenossen sind die Beziehungen zu den grófién Realisten des siebzehnten und des neunzehnten Jahrhunderts; bei den Brüdern Le Nain, den Hollándern und bei Courbet finden wir diese wesenhafte Darstellung des Gegenstándlichen wieder. Wie bei allén Stilleben Chardins tritt im Pflaumenkörbchen" die Umgebung ganz zurück und der unergründliche Zauber der Maierei geht alléin von den Dingen aus, den bereiften Pflaumen, den grünen Mandeln, den Kirschen und dem halbvollen Glase mit Wasser. - Noch im Entstehungsjahre, 1757, stellte Chardin dieses Stilleben im Pariser Sálon" aus, wo es auch von Diderot gesehen und besprochen wurde. Lit.: Dayot-Guiffrey, J.-B. Simeon Chardin, o.J. S. 13 Nr. 37; Wildenstein, Chardin, 1933, SS. IOI f. u. 219 Nr. 834 bis. JEAN-BAPTISTE CAMILLE COROT Geboren 1796 in Paris. Ging erst mit 25 Jahren gánzlich zur Maierei über. Schüler von A. E. Michallon und Victor Bertin. Arbeitete 1825-28 in Rom. Auch spáter háufige Reisen in der f'ranzösischen Provinz und im Auslande. Wohnte hauptsáchlich in Paris und Ville d'Avray. Gestorben 1875 in Paris. LA PETITE LISEUSE Oel auf Leiniuand 46:38,5 cm. Signiert r.u. Corot. Dieses Motiv des lesenden oder sinnenden Hirtenmádchens war ein Lieblingsthema des neunzehnten Jahrhunderts. Corot nimmt dem Vorwurfe alle konventionelle Sentimentalitát; er erfüllt ihn mit echter Seelenreinheit und gestaltet ihn mit einem so sanften Zauber des Lichts, dafi ein grofies Kunstwerk von ganz rein gestimmter dichterischer Stimmungskraft entsteht. Lit.: A. Robaut, L'úewvre de Corot, 1903, Nr. 294.