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DIE ALTDEUTSCHE MALEREI Abgrenzung und Wesen Unter dem Begriff der „Altdeutschen Maierei" fafite man früher eine Entwickiung zusammen, die etwa von den frühen Kölner Meistern bis zum jüngerenHolbein reicht. Heute scheint diese Grenzziehung kaum mehr berechtigt zu sein. Unsere Kenntnis besonders der álteren deutschen Wandmalerei ist allmahlidi durdi Funde und Forschung aufierordentlidi erweitert worden. Man macht keinen grundsátzlichen Unterschied mehr zwischen der Tafelmalerei und jener anderen, die für das Buch oder das Glasfenster bestimmt ist. Diese gilt vielmehr als durchaus gleichberechtigt. So hat innerhalb der gesamten deutschen Kunst auch die Maierei bereits eine lange Geschichte hinter sich, wenn sie um etwa 1400 jenen ehemals gesetzten Anfangspunkt erreicht. Wollte man die Spuren dieser Kunstaufierung weit zurück verfolgen, so müfite man ihren Anfangen dort begegnen, wo in einer Vermischung von Christlichem, Römischem und Barbarischem die Trager der Völkerwanderung mit ungefügem Wagemut allmáhlich in die Formenwelt der Spatantike eindringen. Aber all dies wird uns hier nidit besdiaftigen. Nicht die Entfaltung der Buchmalerei in der karolingischen Palastschule mit ihrer spátantiken Tradition, nicht die grofiartig expressive ottonisdie Sdiule der Reichenau oder die lebensfrohen Minnesanger der Manessischen Handschrift sollen in diesem Buch ihren Platz finden. Wir verfolgen nicht das Werden der Glasmalerei noch das der Wandmalerei von Ingelheim bis zum Nonnenchor des Domes zu Gurk. Um 1350 treten wir in die Darstellung ein. Von hier ab schickt die Maierei sich an, alhnahlich die Führung innerhalb der deutschen Kunst zu übernehmen. Eine Entwickiung wird sichtbar, die geschlossen bis in die Neuzeit hinein zu verfolgen ist. Damit beginnt in der Tat das, was man im engeren Sinn eben doch die altdeutsche Maierei nennen kann. Die Nation findet sich durch diese Kunst in ihrem Wesen bestátigt und dargestellt. Und doch ist ein so kostbarer Schatz weder seinem Umfange nach, noch als Erscheinung überhaupt, etwa schon lange Zeit dem Volke bewufit, das ihn sein eigen nennt. Noch vor sechzig Jahren war die Kenntnis davon recht wenig verbreitet. Wohl bewahrte ein vager traditioneller Ruhm von jeher einige Namen. Diese aber mit Anschauung zu erfüllen und zum lebendigen Besitz der Deutschen werden zu lassen, das vermochte erst die Generation um 1800. Obschon in mancherlei Hinsidit in Irrtümern über dieses Vermáchtnis befangen, löste die Begeisterung der Romantiker dennoch dessen Siegel. Besonders Friedrich Schlegel hat durch seinen grófién Bericht über die altdeutschen Gemalde in Paris in dieser Hinsicht eine neue Epoche der Schátzung und Sichtung eingeleitet. Seitdem ist im grófién wie im kleinen in unendlicher Arbeit das Bild dieser Kunst für uns wiedererstanden. Es darf aber nicht unerwahnt bleiben, dafi die altdeutsche Maierei keineswegs 5