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Zum Geleit
Im August 1855 unternahm Theodor Storm mit seinen Eltern eine Reise in den deutschen Süden, wo sie alle drei in Stuttgart den Dichter Eduard Mörike besuchten. In seinen «Erinnerungen an Eduard Mörike » berichtet Storm: «Gegen Mittag kamen meine Eltern, mit denen ich am Nachmittag nach Heilbronn und dann anderen Tages den Neckar hinab nach Heidelberg zurückfahren sollte. - Die nordischen Leute schienen Mörike zu gefallen; als wir mit ihm und seiner Schwester einen Spaziergang durch die Stadt und die umliegenden Anlagen machten, faßte Mörike mitten aus der Unterhaltung heraus mich unter den Arm und raunte mir zu:, Aber en passant, Sie habe recht hebe, liebe Eltern!' Und noch mehrmals kam er darauf zurück: ,Ich komme noch nit aus mei Staunen und mei Freud; Sie habe wirklich prächtige Eltern!'
Noch sehe ich ihn mit meinem Vater, den alten Poeten und den alten Advokaten, in aufmerksamer Betrachtung vor der Schiller-Statue stehen ; beide die Hüte in den Nacken gerückt, der eine mit seinem Regenschirm, der andere mit seinem spanischen Rohr unter dem Arm. Plötzlich wendet Mörike sich zu mir und sagt mit großer Herzlichkeit:,Wisse Sie was? Ihr Herr Vater hat so was von einem alte Schweizer!' Dies Kompliment, wofür er es ansehen mußte, da ihm die Schweizer nur als ideale Gestalten aus Schillers Teil bekannt waren, konnte mein Vater unmöglich annehmen., Ach wat', rief er lachend in unserem Plattdeutsch, ,ick bün man enWestermöhlner Burjung!' Möglich, daß das nun wieder Mörike nicht verstanden hat. - Auch meine Mutter zu charakterisieren, scheint dieser ein freundliches Bedürfnis zu empfinden: sie habe ,so etwas Klares, Leuchtendes, Liebe Erweckendes', meinte er.»
Mit diesem für uns Schweizer schmeichelhaften, wenn auch nur auf «ideale Gestalten» bezüglichen Hinweis ist etwas von Storms Herkommen genannt, das sein ganzes Werk beeinflußte: das Ehrenwerte, Einfache, Familiensichere - Züge, die auch des Dichters eigenes Leben charakterisieren. Vor allem um die Weihnachtszeit schwelgt er in Häuslichkeit, er, der nach eigenen Worten «inpunkto Weihnachten ein Kindskopf» ist, denn wenn man in seinen Briefen blättert, und Storm war einer der großen Briefschreiber, kehrt regelmäßig jedes Jahr im Dezember sein geliebtes Stichwort wieder, und dann ist er «ganz Weih-
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