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Michael wird morgen dreizehn. Kaum zu glauben. Vorgestern ein kleiner, auf dem Bärenfell herumkrabbelnder Wurm, gestern ein pausbacldges Kind und heute fast schon ein Mann. Mein Sohn. Mein Michael. Er ist lustig, kollegial, fröhlich. Anscheinend — vielleicht auch wirklich — liebt er die ganze Welt. Den ganzen Nachmittag klingelt das Telefon, und irgendwelche Jungen und Mädchen durchqueren mit einem schnellen „Guten Tag" das Eßzimmer, wenn ich und Lena — in den seltenen Fällen, da wir zu Hause sind — unseren Tee trinken. „Guten Tag", und schon sind sie weg. „Die eine kenne ich noch nicht. Wie heißt sie?" „Aldona."
Michael antwortet mir immer freundlich. Ich weiß nicht mehr, was ich antwortete, ich weiß nur eins: seine Kindheit ist völlig, aber wirklich völlig anders als meine. Nicht daß ich meine Kindheit schlecht in Erinnerung hätte, warum sollte ich? Obwohl sie anders war als die Kindheit anderer Kinder, und schon mit Sicherheit anders als die von Michael.
Ein kritischer Außenstehender würde vielleicht sagen: „Was war das überhaupt für eine Kindheit? Die Mutter hatte ihre Krankheiten, der Vater seine Frauen." Doch das wäre reine Bosheit, denn wir wohnten zwar nicht zusammen — ich und Mutter im Warschauer Stadtteil Ochota, Vater dagegen in der Foksalstraße —, Mutter war wirklich krank, und Vater hatte für Frauen tatsächlich sehr viel übrig, aber sie liebten mich beide sehr.
Lange Zeit wunderte ich mich darüber, daß andere Kinder