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EIN MANTEL AUS SALZWASSER
Die Erde trägt einen irreführenden Namen, denn sie besteht zum größeren Teil aus Wasser. 72 Prozent des Planeten sind von einem Mantel salziger Flüssigkeit bedeckt, deren Tiefe im Durchschnitt dreieinhalb Kilometer beträgt. Und wenngleich die Geographen von vielen verschiedenen Meeren sprechen, so handelt es sich eigentlich um eine zusammenhängende Wassermasse, in der die einzelnen Kontinente eher Inseln als trennende Barrieren sind.
Wasser umgibt beide Pole des Erdballs -das Nordpolarmeer unter seiner ewigen Eisdecke und das Südpolarmeer, das die Antarktis umspült. Zwischen den Polarmeeren greifen der Indische, der Pazifische und der Atlantische Ozean wie die Zinken von Neptuns Dreizack über den Äquator.
Uberall auf der Erde strömen die Meere sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung und vermischen sich miteinander - ein Ablauf ungeheurer Komplexität. Ein Ozeanograph hat das so formuliert: „Das Meer ist Bewegung." Stürme rauhen die Oberfläche auf und türmen sie bisweilen zu haushohen Wellen auf. Gleichmäßigere, beständigere Windsysteme setzen die Strömungen in Gang - gewundene, breite Flüsse im Meer, die Jahr für Jahr dahinziehen, im Winter wie im Sommer, mal schneller, dann wieder langsamer, ohne je ganz stillzustehen. Unter der gekräuselten Oberfläche steigen und sinken die Wassermassen, angetrieben durch Unterschiede in der Dichte und Temperatur. Da das Meerwasser ständig zirkuliert (mitunter zwar sehr langsam — Bodenwasser kann bis zu 2000 Jahre benötigen, um an die Oberfläche zu gelangen), hat es fast überall auf der Welt eine ähnliche Zusammensetzung.
Zwischen Meer und Atmosphäre herrscht eine enge Wechselbeziehung. Die Winde, die den Ozean mit Energie versorgen, entstehen zum Teil durch die gewaltigen Wärmemengen, die das Meer von der Sonne aufnimmt und dann an die Atmosphäre wieder abgibt. Das dahinströmende Wasser, das sich nur langsam erwärmt und ebenso langsam abkühlt, verfrachtet Wärme von den sonnigen Äquatorialzonen über Tausende von Kilometern bis zu den eiskalten nördlichen Breiten. Auf diese Weise schafft es einen Klimaausgleich und macht die Erde für alle Formen von Leben zuträglicher.