Bővebb ismertető
VORWORT
Der praktizierende Arzt kommt täglich in die Lage, Kranke über ihre Krankheit aufklären zu müssen. Er tut es immer dann, wenn das Wissen des Kranken um Entstehung und Verlauf seiner Krankheit wesentlich für die Durchführung der Therapie ist, z. B. Einhalten einer bestimmten Diät, regelmäßiges Spritzen von Insulin bei Zuckerkrankheit oder Einnahme von Medikamenten, Notwendigkeit der Isolierung bei Infektionskrankheiten, Abschätzung des Risikos einer geplanten Operation. Solche Aufklärung muß wie jedes ärztliche Tun im Einzelfall so bemessen werden, daß die Heilung gefördert und ein seelischer Schaden durch Erwecken falscher Hoffnungen oder unnötiger Ängste vermieden wird. Sie wird wirksam nur im ärztlichen Gespräch mit dem Kranken oder den engsten Angehörigen. Im Kraftfeld der Anonymität gedruckter Regeln und unbekannter Leserkreise ist die Gefahr einer solchen Aufklärung größer als der Nutzen.
Nicht von dieser Art ist deswegen die Absicht der hiermit vorgelegten Bände. Herausgeber und Verfasser hätten sich dem Spott jenes Sklavenarztes ausgesetzt, den Platóin den Gesetzen über die auf dem Markt zu dem Publikum redenden Ärzte sagen läßt: »Du Tor, Du heilst ja Deinen Kranken nicht, sondern erziehst ihn, als ob Du ihn nicht gesund, sondern zu einem Arzt machen wolltest.«
Ebensowenig schien es den Herausgebern reizvoll und verantwortbar, einen medizinischen Hausfreund für alle Lebenslagen anzubieten, der oft zum Nachteil der Kranken den Gang zum Arzt ersetzt oder ihn, wenn er dann doch erfolgt, mit falschen Vorstellungen 'belastet. Vollständigkeit der Sachinformation war nicht unser Ziel.
Was die Medizin den Menschen heilend und helfend geben kann, tut sie als Wissenschaft, d. h. auf Grund von erprobten, so weit wie möglich theoretisch begründeten, aus Erfahrung am Krankenbett und im Experiment gewonnenen Regeln. Einen Überblick über diese medizinische Wissenschaft zu geben war die Aufgabe: die ständig wechselnden Verbindungen der Einzeldisziplinen untereinander und ihre Verschränkung, als eine Wissenschaft vom Menschen, mit den Natur- und Geisteswissenschaften vor Augen zu führen. Die Medizin gehorcht einer Haltung zur Wissenschaft, die diese nicht um ihrer selbst und um der reinen Erkenntnis willen betreibt, sondern sie in den klinischen Fächern der humanitären Idee des Arzttums nutz-