Bővebb ismertető
Alle Epochen, in welchen der Glaube herrscht, unter welcher Gestalt er auch wolle, sind glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mitwelt und Nachwelt.
Johann Wolfgang von Goethe, West-östlicher Divan. Noten und Abhandlungen, Israel in der Wüste
PROLOG
Luther als Mensch einer Epoche des Glaubens und des Umbruchs
Martin Luther, der Wittenberger Reformator, lebte in einer «Epoche, in welcher der Glaube herrscht». Ja, in der Zeit des Umbruchs vom Mittelalter zur Neuzeit war es im Wesentlichen ihm zu verdanken, dass die Religion zu jener Kraft wurde, die Deutschland und Europa für mehr als ein Jahrhundert in ihren Bann schlagen sollte - «glänzend, herzerhebend und fruchtbar», aber auch finster, herzzerreißend und zerstörerisch. Das musste auch Luther durchleben - in hochfliegenden Stunden des Erfolgs und der Hoffnung, alle Welt zu überzeugen, und in bitteren Wochen, in denen er Satan und seine finsteren Gewalten gegen sich und sein Werk anstürmen sah. Nie aber hat er daran gezweifelt, dass ihn Gott selbst zu seinem Propheten berufen hatte.
Nicht dass es an Religion gemangelt hätte, als Martin Luther oder Luder, wie über die ersten Jahrzehnte hin sein Familienname lautete, am IG. November 1483 in Eisleben in der mitteldeutschen Grafschaft Mansfeld zur Welt kam. Im Gegenteil, kaum eine Epoche war stärker mit Fragen der Religion und der Kirche befasst als das ausgehende 15. Jahrhundert.' Das aber war Ausdruck einer beunruhigenden Spannung zwischen dem kühnen diesseitigen Aufbruch des römischen Papsttums und den Nöten eines Kirchenvolkes, das den Heilszusagen der Priesterkaste nicht mehr traute und daher verunsichert nach der