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Eines Tages ließ der Klassenlehrer, Herr Kluczycki, die 7B einen Aufsatz unter dem Titel „Selbstporträt" schreiben. JVIanche fragten, warum nicht „Mein Selbstporträt", was Kluczyk, wie ihn seine Schüler nannten, ziemlich ärgerlich machte, und dann schrieb jeder etwas anderes, doch nach Marias Ansicht schrieb niemand die Wahrheit. Alle wußten, daß manche Arbeiten später in der Klasse vorgelesen würden, und sie schrieben das, was sie selbst von sich denken wollten, oder das, was sie wollten, daß die anderen über sie hören sollten. Danka Krolakowna zum Beispiel, die wirklich glaubte, sie sei eine Mimose, schrieb: „Ich bin seltsam subtil und empfindsam" (sie würde es „emp-fyndsam" aussprechen, dachte Maria kridsch), und in Wirklichkeit war sie ein harter Ellbogentyp, wie er im Buche steht. Der Schafskopf Jezior fand sich ganz besonders reaktionsschnell und scharfsinnig. Roma war auf einmal „diskret" (die arme, anständige Roma) und Zieciak — kompromißbereit, was Kluczyk fast vom Katheder fegte. Insgesamt konnte man sich vor Lachen wälzen, als das laut vorgelesen wurde, aber seltsamerweise wälzte sich niemand, sondern sie saßen alle da und hörten mit furchtbar andächtigen Gesichtern zu.
Marias Selbstporträt hatte mit der Wahrheit auch nichts zu tun, sie wunderte sich sogar, wie glatt es ihr gelungen war, so viele Dinge über sich zu erfinden: warum sie so war, wie sie war, hatte sie jedenfalls nicht geschrieben, denn das ließ sich nicht beschreiben — nicht, weil man es nicht sehen konnte (in Wirklichkeit kann man viele Dinge, das Subtilsein von Krolakowna zum Beispiel, nicht sehen und sie trotzdem be-