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MARC CHAGALL Die grófién graphischen Zyklen Marc Chagall ist der Erzpoet unter den Malern des 20. Jahrhunderts, der grofie Mythenerzáhler. Doch wovon erzahlt er zuerst? Er erzahlt vom Mythos der Freiheit, der mit der modernen Maierei in die Welt gekommen ist, er erzahlt davon, dafi die Schwerkraft nicht mehr gilt, dafi wir nicht lánger durch die Kausalkette an die Erde gefesselt sind, dafi wir alle fliegen können wenn wir nur genug zu tráumen vermögen. Er erzahlt uns davon, dafi unser Blick nicht lánger durch die Regein der Perspektive festgenagelt ist, dafi wir die Welt mit so vielen Augen und von so vielen Punkten aus zu sehen vermögen, wie wir nur wünschen, dafi Fernes nah und Kleines grófi sein kann, es liegt an uns. Er erzahlt uns von der lebendigen Fláche der Leinwand oder des Papiers, auf der jede Form animiert erscheint. Er erzahlt uns von der Musik, die im Rhythmus der Formen und in der Melodie der Farben liegt. Er erzahlt uns von der Macht der Linie und des Konturs, vom Geheimnis des Hell-Dunkels, von wandernden Lichtern und Schatten. Und er erzahlt uns die Legende der Farbe, von den Ekstasen der Freude und den Exaltationen der Trauer, zu denen die Farbe fáhig ist. Sie schwebt, strömt, stürzt, blendet und blitzt, züngelt wie Flammen und schimmert wie Glas, geistert durch die Nacht und glüht aus der Asche. Er erzahlt uns von Menschen und Dingen, die unsere Erinnerung aus vielen Partikein zusammenliest und plötzlich anders und unerwartet zueinander