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So wie icli aucii an ein Bild denke, wo wir der Luft und Felsen, Wasser und Feuer Gestalt und Sinn geben können. Auf diese Weise könnte einst, was wir jetzt noch nicht sehen können, aus dieser Kunst die Landschaft hervorgehen und eine bleibende herrliche Kunst werden."
Was Ph. O. Runge hier ausspricht, hat eine ganze Künstlergeneration um 1800 bewegt; ihre schriftlichen Zeugnisse sind davon durchdrungen. Sich und ihre Kunst neu mit dem Leben verbindend, fühlten sie sich aufgerufen, etwas Bedeutendes in die Kunstgeschichte einzubringen und einen Beitrag zur Herausbildung einer neuen Blüte der Kunst zu leisten. Im Gegensatz zum akademischen Klassizismus, der sich immer stärker auf die Kunst selbst zurückzog, sollte ihr Schaffen an der großen Epochenwende teilhaben, diese selbst - im Sinne einer weitgefaßten Zielstellung des nach sozialer, politischer und ökonomischer Emanzipation strebenden Bürgertums - mit befördern. Damit geriet ihre Kunst von vornherein, ja ihr ganzes schöpferisches Leben in ein unerhörtes Spannungsfeld zwischen der eigenen hochgesteckten Programmatik und der tiefen Widersprüchlichkeit der sich herausbildenden bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Hohe Erwartungen und Resignation, Suche nach Freundschaft, künstlerischer Bruderschaft und tragischer Vereinsamung, vaterländische Aufopferung und große materielle Bedrängnis, geistige Weiten und bürgerliche Lebensenge -eine Fülle neuer, ungeordneter Erfahrungen bedrängte diese hochbegabte Generation der deutschen Frühromantiker. Ihre weitgesteckten Ziele verbanden sich dabei mit bedeutendem künstlerischem Vermögen; Ein großer Wurf deutscher Kunstgeschichte ist es, der zwischen 1800 und 1830 durch seine Geschlossenheit und Qualität unerreichte Maßstäbe für das weitere 19. Jahrhundert setzte. Die deutsche Frühromantik ist zugleich Teil jener umfassenden Epochenproblematik des beginnenden industriellen Zeitalters, der großen bürgerlichen Revolutionen, des Kampfes um geistige Emanzipation, ökonomische Entwicklung, schließlich um die Übernahme der Macht durch die Bourgeoisie in den entwickelten europäischen Ländern. Die Romantikergeneration war sich des Zeitenumbruches bewußt, wurde mitten hineingerissen in dessen Strudel. „Ich frage mich; sind wir jetzt wohl wieder daran, ein Zeitalter zu Grabe zu tragen . . ." schrieb Ph. O. Runge 1802 an den Bruder Daniel. Und Karoline SchelUng antwortet gleichsam für viele, als 1806 das alte „Heilige Römische Reich deutscher Nation" bei Jena und Auerstedt zusammenbrach; „Ich bin aber auch sehr glücklich, daß ich die Ägide neben mir habe, denn geht von einer Seite die ganze Konveniens-Welt mit allen ihren alten Formen unter, so geht mir an einem schönern Horizont eine unwandelbare Welt auf." Der Aufgang
einer neuen Welt - ein geeintes demokratisches Vaterland, eine neue, von der Gesellschaft benötigte Kunst, eine geläuterte Moral, eine reformierte naturverbundene Religiosität, die geachtete individuelle Persönlichkeit wie eine neue menschliche Gemeinschaft - was alles verbarg sich an Hoffnung hinter diesen Worten und strahlte zuversichtlich auf in den großen programmatischen Gemälden wie dem „Kreuz im Gebirge" von C. D. Friedrich, dem „Kleinen Morgen" von Ph. O. Runge, dem „Einzug Rudolfs von Habsburg in Basel" von F. Pforr oder dem „Dom über einer Stadt am Wasser" von K. F. Schinkel. Der Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus war in Deutschland durch die zurückgebliebenen politischen und ökonomischen Verhältnisse beispielsweise gegenüber England oder Frankreich äußerst widersprüchlich und kompliziert. Oft traf politische und weltanschauliche Verwirrung die Künstler und erklärt ihre äußerste Anstrengung, selbst ein künstlerisches Pogramm zu entwickeln und eine neue, immer programmatisch gemeinte Kunst zu schaffen. Was alles drängt sich an politischen Ereignissen und entsprechenden Reflexionen in den drei Jahrzehnten der Frühromantik zusammen. Der große, begeisternde Ausbruch der Französischen Revolution in seinen Auswirkungen auf alle europäischen Länder, die Hoffnung und die Enttäuschungen, aber doch immer die Erfahrung der möglichen Beseitigung des Feudalabsolutismus; die ersten negativen Anzeichen der kapitalistischen Entfremdung; die sich auf ganz Europa ausdehnenden Eroberungskriege im Interesse der französischen Großbourgeoisie und die sich mit unterschiedlicher politischer Reife entwickelnden national-patriotischen Befreiungsbewegungen; schließlich auch noch - schmerzhaft erlebt nach dem Höhenflug patriotischer Erhebungen - die einsetzende feudale Restauration nach dem Wiener Kongreß, Demagogenverfolgung, Vereinsamung, Bewahrung gefährdeter humanistischer und demokratischer Ideale bis zum Anbruch einer neuen politischen und auch künstlerischen Periode mit dem Vormärz. Früh schon, 1810, starb Ph. O. Runge, ebenso F. Pforr, im Jahre 1812; andere aber, wie C. D. Friedrich, erlebten noch die revolutionären Unruhen von 1830 - fünf Jahre später malte er, gleichsam als letztes romantisches Vermächtnis, seine „Klosterruine im Riesengebirge". Das deutsche Bürgertum, in seiner Entwicklung gehemmt durch die Grenzen zahlreicher Kleinstaaten und politisch unerfahren, hatte kein eigentliches Programm, obwohl auch in Deutschland Ansätze und Möglichkeiten zu revolutionären Veränderungen eintraten, so z. B. mit der Volkserhebung während der Befreiungskriege und den Bemühungen der preußischen Reformer. So erklärt es sich auch, daß die junge, politisch wache Künstlergeneration letztlich selbst immer wieder nach Antworten