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Richard Wagner an Albert Wagner, 4. August 1845
Richard Wagner an Dr. Hermann Franck, 30. Mai 1846
so habe ich denn gestern das Niederschreiben eines sehr ausführlichen, vollständigen Planes zum Lohengrin beendigt, der mich große Freude macht, ja, ich gestehe es frei, mit stolzem Behagen erfüllt. [ ]
je näher ich mich nun aber mit meinem neuen Stoff vertraut machte, je inniger ich die Idee erfasste, desto reicher u. üppiger ging mir dessen Kern auf u. entfaltete sich zu einer so vollen, schwellenden Blume, dass ich mich in ihrem Besitze wahrhaft glücklich fühle. Meine Erfindung u. meine Gestaltung hat bei dieser Schöpfung den größten Antheil: das altdeutsche Gedicht, welches und diese hochpoetische Sage bewahrt hat, ist das dürftigste und platteste, was in dieser Art auf uns gekommen ist, und ich fühle mich in der Befriedigung des Reizes sehr glücklich, die fast unkenntlich gewordene Sage aus dem Schutt u, Moder der schlechten, prosaischen Behandlung des alten Dichter's erlöst u. durch eigene Erfindung u. Nachgestaltung sie wieder zu ihrem reichen, hochpoetischen Werthe gebracht zu haben.
Elsa hat Lohengrin verwirkt, ihr Ver-eingtbleiben ist unmöglich, denn als Elsa die Frage an ihn richtet, sind Beide bereits geschieden: die Trennung, die Idee der Trennung, erschien mir von Anfange her, beim ersten Bekanntwerden mit dem Stoffe als das Eigenthümlich, besonders Bezeichnende desselben [ ] Als Symbol der Fabel kann ich nur festhalten: die Berührung einer übersinnlichen Erscheinung mit der menschlichen Natur und die Unmöglichkeit einer Dauer derselben. Die Lehre würde sein: der liebe Gott* thäte klüger, uns mit Offenbarungen zu verschonen, da er doch die Gesetze der Natur nicht lösen darf: die Natur, hier die menschliche Natur, muß sich rächen und die Offenbarung zunichte machen. Dies scheint mir der Sinn jener wundervollen Sagen, die nicht von Pfaffen gemacht sind.
Lohengrin's großen (auch passiven) Antheil an der Entwicklung des Schicksals glaube ich genügend festgestellt zu haben
* Ich meine: der Christengott