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Die Frage, ob die Beschäftigung mit der uns Heutigen oft abstrus erscheinenden Geistesweit der magischen Künste sinnvoll ist, beantwortet sich eigentlich schon aus der Tatsache, daß diese Welt nicht nur in den Büchern von Gelehrten wie Albertus Magnus, Roger Bacon und Paracelsus noch lebendig ist, sondern schon dadurch, daß sie in zwei Werken konserviert wurde, die zu den größten der Weltliteratur zählen: in Shakespeares »Sturm« und in Goethes »Faust«.
Die Erkenntnis, daß Alchemie und Sterndeutung, Hexenglauben und Mantik sowie zahllose andere Disziplinen, die in den großen Kreis der magischen Künste gehören, in der Kultur- und Geistesgeschichte des Abendlandes durch viele Jahrhunderte eine große Rolle spielten, wird heute eher zur Kenntnis genommen als im vorigen Jahrhundert, in dem sich die Historiker immer wieder bemüßigt fühlten, ihre geistige Überlegenheit über diesen »Wust des wirren Aberglaubens« mit geringschätzenden Werturteilen zu dokumentieren.
So schrieb etwa ein großer Gelehrter wie Jacob Burckhardt 1860 in seiner »Kultur der Renaissance in Italien« im Hinblick auf Agrippa von Nettesheim: »Bei zweideutigen Individuen, wie Agrippa eines war, bei Gaunern und Narren, wie die meisten anderen heißen dürfen, interessiert uns das System, in welches sie sich etwa hüllen, nur sehr wenig, samt seinen Formeln, Räucherungen, Salben, Pentakeln, Totenknochen usw.« Seit dieser Zeit erschienen jedoch Bücher wie jene von L. Thorndike, C. G. Jung, W.-E. Peuckert, K. A. Nowotny, G. Hartlaub u.a., und es dürfte in unserer Zeit möglich sein, sich mit den Randbereichen der Kulturgeschichte zu befassen, ohne sich hiefür eigens entschuldigen zu müssen.
Um ein echtes Handlexikon handelt es sich bei vorliegendem Buch; es soll nicht ein Thesaurus sein, sondern ein kleines und praktisches Nachschlagewerk für alle, die sich mit Wissenschaftsgeschichte, mit der Entstehung und Überwindung des Hexenglaubens, mit der Geisteswelt der Alchemie oder ähnlichen Problemen befassen. Viele Termini jener Disziplinen sind heute nicht mehr ohneweiters verständlich und scheinen in modernen Lexika auch nicht auf. Dies gilt auch für die Biographien der »Magier« im weitesten Sinne, die oft nur mit Mühe rekonstruierbar sind, für die Kultur- und Ideengeschichte jedoch wertvolles Material darstellen. Das Handlexikon kann bibliographische Werke wie jene von Grässe, Weller, Hayn-Gotendorf, Panzer, Brunei, Hauber usw. nicht ersetzen und soll auch nicht in diesem Sinne verstanden werden. Seine Aufgabe ist es, über Halbvergessenes kurz und möglichst klar zu informieren und Literatur zu nennen, die im Bedarfsfall weiterhelfen kann.
Das Thema dieses Handlexikons ist in erster Linie die Welt der Magie in all ihren Erscheinungsformen, soweit sie in Büchern ihren Niederschlag fand. Für die