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Vorwort Innerhalb des reichhaltigen Romanschaffens im 19. Jahrhundert nimmt Tolstoj mit seinen beiden Großromanen „Krieg und Frieden" (abgeschlossen 1869) und „Anna Karenina" (abgeschlossen 1877), zu denen nach der um 1880 eingetretenen „Lebenswende" der Roman „Auferstehung" (1899) hinzutrat, zweifellos einen überragenden Platz ein, was nicht zuletzt durch die unvergleichliche Verbreitung vor allem der beiden erstgenannten Werke dokumentiert wird. Eine Erklärung für diese Popularität läßt sich vielleicht in der Tatsache finden, daß Tolstoj alle übrigen Romanciers darin übertrifft, einen aus vielfältigen Personen und Schauplätzen, Ereignisschilderungen und Gegenstandsbeschreibungen gebildeten epischen „Raum" zu schaffen, der den Leser ebenso unmerklich wie nachhaltig in sich aufnimmt. Durch die eigentümliche Verbindung von Engagement und Distanz des Autors gegenüber seinen Gestalten wird der Leser ebenfalls zugleich zum Miterleben und zum Mitbeobachten angeregt und so in eine Haltung versetzt, in der zwei natürliche Regungen zu einem harmonischen Ausgleich gelangen. In diesem Sinne ist Tolstojs Romanschaffen der mittleren Jahre einem umfassenden „objektiven" Realismus verpflichtet. Der angedeutete „Ausgleich" kennzeichnet freilich nur einen Aspekt im Wesen und Schaffen Tolstojs. Schon ein Blick auf den Lebensweg läßt vermuten, daß der epische Strom gleichsam von einer Vielzahl reißender Gewässer gespeist wird. Der vorherrschende Eindruck, den die Biographie Tolstojs etwa im Zeitraum zwischen 1840 und der Eheschließung 1862 vermittelt, ist der einer tiefgreifenden Ruhelosigkeit,