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VORWORT
„Viele bedeutende Männer, welche auf die Verherrlichung der Musik Mühe und Fleiß verwendet haben, bezeugen den großenEinfluß, dessen sich dieselbe sowohl inBetreff eines erwünschten Nutzens, wie eines edlen Genusses zu erfreuen hat. Darauf deuten auch jene von den Alten erfundenen Fabeln, nach denen selbst stumme und leblose Gegenstände von der Lieblichkeit des Gesanges ergriffen worden sein sollen. Deshalb haben nicht mit Unrecht unsere weisen Vorfahren die Musik als Würze zum Worte Gottes angewendet wissen wollen, damit diejenigen, welche frommer und gottes-fürchtiger Sinn in die Kirche führt, durch den Zusammenklang der auf mannigfache Art geführten Stimmen und durch die Lieblichkeit des Gesanges selbst in ihr zurückgehalten würden. Wäre derselbe Fleiß auf die Ausschmückung geistlicher Lieder verwendet worden, wie er verderbten Weisen zuteil wurde, so wäre es sicherlich besser mit den Verhältnissen der Menschen bestellt. Ich meines Teils, wenn ich auch meiner schwachen Kräfte mir vollkommen bewußt bin, habe keine angelegentlichere Beschäftigung, als daß ich die Gesänge, die im ganzen Jahr bald zu dieser, bald zu jener Zeit in der Kirche gesungen werden, musikalisch in der Weise zu gestalten suche, daß das Ohr durch dieselben einen anmutigen Eindruck empfängt."
Das sagt Giovanni Pierluigi da Palestrina in der Widmung eines Bandes seiner Motetten an den Kardinal Rudolphus Pius von Carpi. Aus den demütigen Worten spricht nicht nur der fromme Diener seiner Kirche, der zu Ehren Gottes komponiert. Sie sind Zeugnis eines schaffenden Künstlers, der neben der dienenden Aufgabe auch die herrschende Macht seines Wirkens erkennt. Die Musik, der er seine Lebensarbeit widmet, ist nicht nur Stimme der Frömmigkieit, weü sie das Wort Gottes verkündet. Die „Lieblichkeit des Gesanges", von der der Meister spricht, und der „anmutige Eindruck", den er seinen Chorschöpfungen zuschreibt, sind rein künstlerische Reize, die den Gefühlskreis der vertonten Texte überschreiten. Sie machen daa gesungene Wort zur Musik, die ihre eigene Frömmigkeit ausstrahlt. Palestrina hält diese nur als Klang empfindbare Sprache der Gläubigkeit für ein nicht imbilliges Mittel, den Beter in der Kirche zurückzuhalten.
Die in der vorliegenden Ausgabe zusammengestellteii leichten Chorsätze von Palestrina sind dazu bestimmt, diesen frommen Klang auch für Chorvereinigungen erreichbar zu machen, denen die Wiedergabe des originalen lateinischen Textes Schwierigkeiten bereiten würde. Ohne ihn selbst anzutasten oder die Silbenverteilung zu verändern, sind die lateinischen Worte durch deutsche ersetzt, die in freier Übertragung mit Rücksicht auf gute Sangbarkeit den Sinn des Urtextes wiedergeben. Der Alt wurde im 16. Jahrhundert von hohen Männerstimmen gesungen. Um den originalen Palestrina-Klang annähernd zu erreichen, müssen die weiblichen Altstimmen wenigstens ergänzt werden durch hoheTenöre. Daher wurde für jeden Chorsatz eine Tonart gewählt, die den Alt singenden Märmerstimmen keine unnatürlich hohen Töne zumutet. Alt und Tenor sind im c-Schlüssel zwischen der dritten und vierten Linie notiert, klingen also eine Oktave tiefer als die im g - Schlüssel stehenden Noten. Sopran und Baß smd in den geläufigen Schlüsseln aufgezeichnet, so daß die Benutzung der Partitur durch keinerlei Leseschwierigkeiten beeinträchtigt wiid.