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L'École de Paris
Dreimal im Verlaufe seiner Geschichte war Frankreich und damit Paris das Zentrum der europäischen Kunst: im 12. und 13. Jahrhundert verbreitete sich von Frankreich aus ein Stil über alle christlichen Länder des Okzidents, den wir heute mit dem während der Renaissance in Italien aufgekommenen, ursprünglich abwertend gemeinten Namen «Gotik» bezeichnen, der aber im Mittelalter den Mensdien von Spanien bis Skandinavien, von Schottland bis Polen und selbst im fernen Palästina, in Syrien, auf Zypern und auf Rhodos als «opus francigenum» bekannt war. Etwa vierhundert Jahre später war Frankreich wieder der Mittelpunkt europäischer Kultur und Kunst, als in der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert der Hof von Versailles das Vorbild aller europäischen Fürsten, Könige und selbst Kaiser war, während überall französische Mode, Sitten und Kunst nachgeahmt wurden. Paris selbst erlangte jedoch seine größte Bedeutimg als Kunstzentrum erst in den verflossenen hundert Jahren, also etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, denn während der beiden früheren Kulturepodien hatte es stets Rivalen gegeben, die ihm seinen Rang streitig machten: im Zeitalter der letzten Kapetinger und der ersten Valois Klöster wie Citeaux und Städte wie das Avignon der Päpste, während von 1660 bis 1789 weniger Paris als Versailles im Mittelpunkt gestanden war. Seit dem 19. Jahrhundert aber ist Paris das einzige Zentrum französischen Geistes- und Kunstlebens, und wenn man heute von französischer Kunst spricht, meint man die Pariser Kunst.
Zwei Erscheinungen sind es, die die Bedeutung Frankreichs auf dem Gebiet der Kunst bestätigen: das Wirken zahlreicher französischer Künstler in allen Ländern der Erde und der Zustrom ausländischer Künstler nach der französischen Hauptstadt. Schon im Mittelalter waren in ganz Europa und selbst im Nahen Osten französische Baumeister, Bildhauer und Maler tätig, und mehr noch im 17. und 18. Jahrhundert, als beispielsweise Katharina die Große nicht nur mit französischen Philosophen, wie Voltaire, Rousseau und Dide-