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Es fäi.lt heute schon schwer sich vorzustellen, daß die Kunst Münchs vor einem Menschenalter angefeindet wurde, ja Skandale erregte. Als der Verein Berliner Künstler im Jahre 1892 das Werk des Norwegers zum ersten Male in Deutschland zeigte, mußte die Ausstellung am dritten Tag nach der Eröffnung wieder geschlossen werden. Die Mehrzahl der Mitglieder des Vereins - die Akademischen, an der Spitze der Historienmaler Anton von "Werner - hatte die Bilder entrüstet abgelehnt. Der Vorfall veranlaßte damals die eigentlich-schöpferischen Kräfte, die Berliner Sezession zu gründen, und Münch kann so gewissermaßen als ihr Vorkämpfer gelten. Über den Einzelfall hinaus aber hatte jene Künstlerrevolte auch etwas Typisches; denn noch immer haben die Jünger von heute die Meister von gestern überwunden, wenngleich es leichter ist, sich ihrer zu erinnern, als sie zu vergessen. Und je weiter sich einer von der epigonalen Routine seiner Schule entfernt, desto einsamer und größer ist er.
Nun war man damals in Deutschland nicht weniger als in Frankreich oder auch in Norwegen dem Naturalismus verschworen. Der dialektische Materialismus hatte eine ganz neue Ästhetik verkündet; sie schätzte den sprichwörtlichen » gutgemalten Kohlkopf« höher als (in ihrer eigenen Terminologie) alle romantischen Ausflüchte in eine übersinnliche Welt, die sich jeder wissenschaftlichen Beweisführung entzieht. Aus dieser Blickrichtung gesehen, wird das Mißverständnis in Berlin verständlich; denn es war für die Zeit etwas Unerhörtes, ein künstlerisches Werk nur aus dem Echo des Gefühls aufzubauen,