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VORBEMERKUNG
Herman^Grimms Arbeit an „Raphael" war sein eigentliches Lehenswerk. Seine ersten Essays kreisten um die Gestalt dieses Meisters; den letzten Versuch machte er noch knapp vor seinem Tode in dem Fragment „Raphael als Weltmacht". Sein „Leben Raphaels" schrieb er dreimal in vollkommen verschiedener Fassung. Die erste Ausgabe erschien 1872, als erster Band eines zweibändig gedachten Werkes: Vasaris Raphael-Biographie, übersetzt und kommentiert von Herman Grimm. Die Kommentierung ivar so umfangreich, daß dieser Band 400 Seiten umfaßte. Ein zweiter Band erschien nicht. 1886 kam das gleiche Werk als 2. Auflage heraus und war in einem Band abgeschlossen. Für die englische Ausgabe, die bald danach in Boston erschien, wurden einzelne Teile umgearbeitet. Die 3. Auflage von 1896 war ein vollkommen verändertes Werk. Herman Grimm hatte sich von Vasari und auch von Passavant freigemacht. Der Text dieser Auflage beruhte auf den Vorlesungert, die der Autor an der Berliner Universität über Raphael hielt.
Unser Neudruck gibt die 3. Auflage ungekürzt wieder. Weggelassen sind nur einige wenige Seiten, auf denen Grimm von Stahlstich-Reproduktionen nach Raphael-Gemälden, von Cornelius und anderen überholten Dingen spricht. — Sehr wichtig sind dagegen die drei Aufsätze, die diesem Band beigegeben sind. Sie machen in gewissem Sinne unsere Ausgabe zur ersten wirklich vollständigen. „Raphael als Weltmacht" ist der Anfang einer versuchten vierten Neugestaltung des Raphael-Buchs und deshalb nicht mißbar; der Essay „Raphael und Michelangelo" stammt aus dem Jahre 1856, ging in veränderter Fassung teilweise in das