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Reinhard Stangl l'art pour l'art Bilder und Zeichnungen
Paul Klee sprach in einer exemplarischen Rede »Über moderne Kunst« 1924 einmal von einem »Dilemma«, in dem sich Künstler und »Laien« befänden: Dem Dilemma, daß der Künstler vorwiegend im Formalen der Kunst zu Hause sei, der Kunstbetrachter aber im Inhaltlichen. - Wegen dieser grundverschiedenen Perspektiven gehen beide nicht selten aneinander vorbei. Nun geht es aber in der Regel um beides. So auch in den Aktzeichnungen und -bildern Reinhard Stangls: Es geht um Inhalte und Aussagen zu einem Komplex, der ja nicht wertneutral und emotionslos wahrgenommen wird - Körper und Nacktheit Hund um formale Ansätze und Techniken der künstlerischen Umsetzung, an denen sich ja nicht zuletzt ein Qualitätsurteil festmacht.
Ich denke, daß gerade bei dem Sujet des »Aktes« und der Körperdarstellung die Positionen von Künstler und Kunstpublikum besonders weit auseinander hegen. Kunstrezipienten reagieren auf Aktzeichnungen oder -bilder in erster Linie spontan und emotional. Das begründet sich dadurch, daß die Darstellung des nackten menschlichen Körpers nicht allein eine ästhetische Bedeutung hat, sondern mit Ängsten und Phantasien, mit sozialen und sexuellen Konventionen verknüpft ist. Die öffentliche bildliche Konfrontation mit der Nacktheit stellt, trotz einer nun schon 2tausendjährigen Tradition des Aktes in der Kunst, für den Menschen immer noch eine Beunruhigung dar. Auch für den Künstler. Aber anders als der Nicht-Künstler, findet der Künstler seinen Angelpunkt der Auseinandersetzung weniger im psychischen, als vielmehr im Bereich der ästhetisch-bildnerischen Umsetzung. Er leistet eine Übersetzungsarbeit, eine künstlerische Abstraktion von der Realität. Ein Akt ist daher nicht nur ein abgebildeter nackter Körper, er ist eine künstlerisch gestaltete Form, sozusagen eine Reform oder eine Trans-form des Körpers. In der Kunst des 20. Jahrhunderts wurde der Akt noch einmal »entblößt«. Ging es früher meist um die Idealisierung des nackten Körpers mit seinen erotischen Reizen, so beginnt die Klassische Moderne der Nacktheit vorwiegend sexuelle Bedeutung zuzumessen. Der Blick richtete sich auf das Profane, Unvollkommene, Lüsterne und Animalische des Körpers und der Sexualität und damit auch auf das Dunkle dieses Bereiches: die unterdrückten Ängste und Triebe. Picasso, Rodin, Dix, Schiele, Münch und Janssen wären zu nennen, die (vor allem in ihrem zeichnerischen Werk) dieses Terrain erobert haben.
Es ist das gleiche Terrain geblieben, auf dem sich die zeitgenössische Aktmalerei bewegt. Wenn von der »Entblößung« des Aktes die Rede war, so ist damit gemeint, daß hier der weibliche Körper in seiner verwundbarsten Blöße dargestellt wird. Hier kann