Bővebb ismertető
Für den griechischen Dichter Lukian ist der Raub des jungen Hirten Ganymedes durch Jupiter nichts als eine bezaubernde Geschichte; für Michelangelo jedoch symbolisiert die Entführung die Qualen einer tragischen Leidenschaft. Einige Künstler haben diese Liebe subHmiert, andere als ein monströses und unaussprechHches Gefühl verdammt. Wir versuchen, diesen verschiedenen Aspekten männlicher Homosexualität in der abendländischen Kunst—bei den Autoren der Antike, den Künstlern der Renaissance, den europäischen und amerikanischen Schriftstellern und Malern des i8. und 19. Jahrhunderts—nachzugehen. Auch möchten wir, daß gewisse anonyme Texte, die von Bibliophilen gehütet werden oder zu den reichen Schätzen der Bibliotheque Nationale oder des British Museum gehören, einmal der Öffentlichkeit zugänglich werden. Einige zeitgenössische Autoren, die sich im Gegensatz zu ihren Vorgängern in völliger Freiheit ausdrücken können, kommen ebenfalls zu Wort.
Bei gewissen Texten schien es notwendig, auf die näheren Umstände ihrer Entstehung einzugehen und sie in ihre Zeit einzuordnen. In der Antike etwa war die Homosexualität ein durchaus würdiges Thema für Kunst und Literatur, man hielt sie sogar für eine höhere Form der Liebe. Doch mit dem kommenden Christentum wurde jegliche Form der Sexualität, die nicht der Fortpflanzung diente, von der Kirche verboten. Die Homosexualität wurde nun ein Laster, eine Perversion, eine Handlung wider die Natur und vom Gesetz strengstens verfolgt. Nichtsdestoweniger hat der einzigartige Charakter dieser Leidenschaft unzählige Meisterwerke ins Leben gerufen, nicht nur in der Literatur, sondern auch in der bildenden Kunst. Wir hoffen, durch die Illustrationen beweisen zu können, daß mehr als ein Künstler von dem zweideutigen Charme der jungen Epheben mit ihren fast unmännlichen Körpern und ihrer bisexuellen Anmut inspiriert wurde. Malen oder bildhauen, ein Gedicht schreiben oder ein Lied komponieren, um die Schönheit eines Knaben zu rühmen: ist dies nicht
für einige ein Akt der Liebe?