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——— Einführung Wir überschauen heute ein weites Feld künstlerischer Manifestationen. Die Kunst vergangener Zeiten und Völker ist uns vertraut, und wir kennen einen guten Teil der Voraussetzungen, unter denen oft weit voneinander abweichende Kunstformen entstanden sind. Obwohl wir ganz persönliche Neigungen zu bestimmten Kunstwerken haben, ist uns die Tatsache, daß es verschiedene Begriffe von Kunst und unterschiedliche Bedeutungsformen gibt, zur Selbstverständlichkeit geworden; die Forderung nach einer allgemein gültigen...
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——— Einführung Wir überschauen heute ein weites Feld künstlerischer Manifestationen. Die Kunst vergangener Zeiten und Völker ist uns vertraut, und wir kennen einen guten Teil der Voraussetzungen, unter denen oft weit voneinander abweichende Kunstformen entstanden sind. Obwohl wir ganz persönliche Neigungen zu bestimmten Kunstwerken haben, ist uns die Tatsache, daß es verschiedene Begriffe von Kunst und unterschiedliche Bedeutungsformen gibt, zur Selbstverständlichkeit geworden; die Forderung nach einer allgemein gültigen Hierarchie der Kunstgattungen und Stile liegt uns fern. Noch im 18. Jahrhundert herrschte eine ganz andere Situation. Die Künstler der westlichen Welt mochten zwar die überkommenen Prinzipien mitunter recht frei handhaben, aber die Prinzipien selbst blieben unangetastet und fanden ihre Verteidiger. Die Rokokomalerei wich erheblich vom tiefen Ernst eines Raffaels, der an den Akademien seit dem 16.Jahrhundert als Vorbild galt, ab, dennoch dachte sie nicht daran, die akademisch-klassische Richtung ernstlich herauszufordern. Wohl unterhielt man sich über die relative Größe »moderner« und »antiker« Meister und begründete seinen Standpunkt ausführlich, man diskutierte darüber, ob man der Farbe oder der Zeichnung den Vorrang geben solle - eine Streitfrage, die sich in Frankreich zu einer posthumen Rivalität zwischen Rubens und Poussin entwickelte und die Kunstbeflissenen in zwei Lager, die »Rubenisten« und »Poussinisten«, spaltete —, aber solche Meinungsverschiedenheiten nahmen, wie wir heute aus der historischen Distanz sehen, doch einen relativ geringen Raum ein. Betrachtet man die Zeit von der Hochrenaissance bis zu Tiepolo als eine Einheit, so wird deutlich, daß die angesehensten Künstler immer diejenigen waren, die im Mittelpunkt des Kunstgeschehens standen und die Werte verkörperten, die im konventionellen Sinn die Grundlagen der Kunst darstellten. Heute neigen wir eher dazu, die Künstler höher einzustufen, die abseits standen und nach neuen Möglichkeiten suchten. Diese Umkehrung der Werte vollzog sich in den letzten eineinhalb Jahrhunderten; sie war durch umwälzende Vorgänge, die im i S.Jahrhundert wurzeln, möglich und nötig geworden. Vom 18.Jahrhundert als einem Zeitalter der Vernunft zu sprechen, bedeutet zumindest eine grobe Vereinfachung. Es begann mit Vernünftelei und wurde schließlich zu einem Zeitalter der Revolution. Die Welt, wie sie Descartes und Newton beschrieben, schien dem Menschen einen definierbaren, sicheren Platz anzuweisen. Alles hatte seine Ordnung, sofern er mit dem in sich harmonischen Universum im Einklang stand - ein gottgewolltes System, von dem er ein Teil war, wenn er nur eine gewisse, auf Mäßigung beruhende geistige Haltung bewahrte. Da der Mensch damit das Vermächtnis zu seinem Schöpfer geklärt hatte, lenkte er den Blick auf sich selbst. »Der eigentliche Gegenstand menschlichen Denkens ist der Mensch«, schrieb Pope, der bedeutendste der Dichter, die dieses harmonische Universum besungen haben, aber mit dieser Fest- stellung rührte er bereits an die Fundamente der Ordnung. Im 18. Jahrhundert wurde die wunderbare Vernunft, durch die die vorhergehenden Generationen soviel erreicht hatten, dazu benutzt, den Menschen selbst zu erforschen. Da der Mensch das ererbte physikalische und theologische Weltbild für gegeben hinnehmen konnte, betrachtete er sich selbst zum ersten Mal »rein menschlich«, das heißt unabhängig von irgendwelchen übernatürlichen Kräften. Nun wurde plötzlich offenbar, daß die Vernunft im Leben des Menschen nur eine geringe Rolle spielte, daß seine Handlungen und Reaktionen von Emotionen, Gefühlen und Instinkten bestimmt werden. Pascals frühreife Erkenntnis, daß das Herz seine eigenen Gründe habe, von denen die Vernunft nichts wisse, wurde auf einmal zum Allgemeingut. Man wandte sich der Gesellschaft zu, die das Leben formte, und fand, daß sie so den Bedürfnissen des Menschen nicht gerecht werden konnte. Jean-Jacques Rousseau (1712-78) formulierte die meisten Fragen, die seinem Jahrhundert auf der Seele brannten, und fand auf viele Fragen eine Antwort. Die zivilisierte Gesellschaft, die er einer kritischen Untersuchung unterzog, betrachtete er als eine Art Zwangsjacke, die das natürliche

Termékadatok

Cím: Kunst und Baukunst 1. [antikvár]
Szerző: Aribert von Ostrowski , Bernd Zimmer , Gerhard Richter , Jutta Glöckner , Oswald Mathias Ungers Sol Lewitt
Kiadó: Bayerische Hypotheken- und Wechselbank Aktiengesellschaft
Kötés: Fűzött papírkötés
Méret: 210 mm x 270 mm
Aribert von Ostrowski művei
Bernd Zimmer művei
Gerhard Richter művei
Jutta Glöckner művei
Oswald Mathias Ungers művei
Sol Lewitt művei
Bolti készlet  
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