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Am iz. Februar igji starb Rudolf Mauersberger. Zwei seiner bekanntesten Schüler - Theo Adam und Peter Schreier - schrieben kurze Zeit später:
»Die Kreuzkirche hat ihren Kantor, die Kunststadt Dresden einen ihrer größten und treuesten Künstler, die gesamte Música sacra einen ihrer berufetisten Diener - der Kreuzchor aber hat seinen Vater verloren. Wir alle - aktive wie ehemalige Kruzianer -trauern um unseren >Rudi<, der uns mehr als nur ein Lehrer und Erzieher -war. In fürsorgender Liebe und - -wenn es nötig war - in verantwortungsbewußter
Strenge war er für uns alle, die ihm anvertraut waren, die Seele und das Gewissen des Dresdner Kreuzchores. Durch seine >Schule< gegangen zu sein, bedeutet für jeden Kruzianer Ehre und Verpflichtung.
Die Voraussetzungen für eine künstlerische Berufung - Dienst atn Werk, Demut in der Kunst, persönliche Bescheidenheit, aufopfernde Hingabe sie waren ihm in seltenem Maße gegeben. Wir alle, der Kreuzchor und sein Publikum, die Kunststadt Dresden und darüber hinaus die gesamte musikalische Welt haben ihm viel zu verdanken.«
Ein Sohn des Erzgebirges
Zeitlebens fühlte sich Rudolf Mauersberger den Wertvorstellungen seiner frühen Umgebung verbunden. Elternhaus, erzgebirgische Heimat, Glaube der Väter wurden zu tragenden Stützen seines Weges - prägend, unverrückbar, einen geistigen Rahmen bildend für die künstlerische Entwicklung, die ihn zum Dresdner Kreuzkantor werden ließ. Die Grundlagen seines Seins waren ihm Lebensmitte, eine stets »verfügbare« Insel, eine Quelle, die immer strömte Er brauchte sichtbare Bilder seiner inneren Werte, denn er war ein visuell-künstlerischer, kein logisch-rationaler Mensch.
So wird es verständlich, daß der Zweiunddreißig-jährige sein Heimatdorf im Modell nachzubilden begann und der Siebzigjährige für das nunmehr zimmergroße winterliche Mauersberg en miniature ein privates dreiräumiges Museum errichtete, daß der Einundsechzigjährige über dem Grab der Eltern eine
an böhmische Wegekapellen (er hatte sie in der Jugend kennengelernt) gemahnende Gruftkapeile sowie schließlich ein altes Stück Mauersberg neu erbauen ließ: die vor der Jahrhundertwende abgerissene Wehrkirche.
Gleichermaßen drängte es ihn, Emotionen, Erlebnisse, Atmosphärisches seiner Kinder- und Jugendjahre kompositorisch umzusetzen. Da wurden Lieder, die sich seit jener Zeit in sein Gedächtnis eingegraben hatten, für den Kreuzchor bearbeitet, da wurden in einigen Sätzen des Zyklus »Tag und Ewigkeit« (1943) Stimmungen aus Wald und Flur der näheren Umgebung eingewoben, Bräuche des Erzgebirges in die städtische Musikszene verlagert: die Christmette mit einem Spiel und die Christvesper. Der »Weihnachtszyklus der Kruzianer« wäre ohne die Pyramiden, Figuren, Weihnachtsberge und Geschichten seiner Kindheit undenkbar. Ein abendfüllendes Chorwerk, 1946 bis 1954 entstanden, trägt den Namen »Erzgebirge«.