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Vorwort
»Die Phönizier haben das Geld erfunden, aber warum so wenig«, fragte Nestroy. André Kostolany wollte sich mit diesem Mangel schon in früher Jugend nicht zufriedengeben. Er wurde deshalb »Geldmacher«, Spekulant, wählte den »schönsten Beruf der Welt«. Ich habe mich gelegentlich gefragt, warum Kostolany nicht Notenbankier geworden ist, also Geldmacher im wahrsten Sinne des Wortes. Heute habe ich zwei Antworten auf diese Frage: Die Philosophie des Notenbankiers besteht darin, Geld knappzuhalten; diese Auffassung würde für Kostolany Selbstverleugnung bedeuten, schUeßlich hält er ein bißchen Inflation für ein angenehmes warmes Bad. Außerdem hätte der Beruf des Notenbankiers ihm wohl kaum ein so abwechslungsreiches Leben und seinen Lesern nicht die amüsanten und lehrreichen Geldgeschichten beschert.
Kostolanys Geldgeschichten erinnern an ein anderes großes Buch über einen, der auszog, um als Spekulant Geld zu machen, an den Menachem Mendel von Scholem Alejchem. Der in Odessa glücklose Menachem ist sozusagen das volkstümliche Gegenbild zum weltläufigen Finanzier André. Beide verbindet der Esprit und die Freude am Spekulieren. Ansonsten ist die Beschäftigung der Literatur mit dem Thema Geld in der Regel alles andere als humoristisch. Sophokles sieht im Geld die Verkörperung des Bösen, Ovid läßt seinen Midas um die Reinwaschung von seinem Gold-Touch flehen, Goethes Faust durchzieht der Zusammenhang von Geld, Gier und Geschlechtlichkeit wie ein roter Faden und für Karl Marx ist das Reich des Geldes