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ERMUNTERUNG
«Man nehme », so begannen oder beginnen noch die Kochbücher, um die Proportionen in der Zuteilung von diesem oder jenem mitzuteilen, damit ein Gericht schmackhaft werde. Aber dieses Buch gibt ja keine «Rezepte», mit deren Befolgung ein einigermaßen geglückter Versuch erreicht wird, sondern erläutert und berät, wie man den Versuch wagen soll, wie es mit der Art des Handwerkszeuges bestellt ist, wie es behandelt werden will, worin die Techniken sich unterscheiden, mit denen man an das V^'agnis herangehen mag, hinter dem das ehrwürdige und gewiß zunächst einschüchternde V/ort «Kunst» steht. Offenbar hat sich der «Ruf», daß ich ein zeichnender Dilettant sei, so weit verbreitet, daß man mich bat, diesem schönen Werk ein paar Worte voranzustellen. Ich habe mit einer bejahenden Antwort nicht gezögert, denn wie oft habe ich jungen Menschen, die «auf Fahrt» gingen, den Rat gegeben: nehmt ein Skizzenbuch, haltet ein Stadttor fest, die Bewegung einer Hügelgruppe zum Tal, den Nepomuk auf einer Brücke, die barocke Zier eines Parktores u. s. f. Ihr werdet reicher, sicher glücklicher nach Hause kommen. Ich möchte dem willigen Leser nichts vormachen — ich bin mit allem solchem Tun, das ich nach einem denkbar miserablen Zeichenunterricht auf dem Gymnasium seit der Bubenzeit betreibe, kein «Künstler» geworden. Ich habe Malern und Radierern bei ihrer Arbeit zugeguckt, sehr interessiert, sehr belehrt — doch ging mein Ehrgeiz nie zu der Palette mit den Ölfarben oder der Kupferplatte mit dem Stichel. Mir genügten immer die Kohle, die schwarzen, die bunten Stifte, gelegentlich etwas Pastell, ehedem auch Wasserfarben. Manche wohlmeinenden Freunde meinen, solche Blätter betrachtend, ich betreibe diesen Ferien-«Sporf» zur «Entspannung». Beide Worte sind falsch gewählt; die meisten gängigen Sportarten, bei denen ein individueller Rekord in Frage steht, rechnen mit dem «Tempo», der meßbaren Zeit, die eben das Maß gibt — der Mann, der da auf seinem Stühlchen sitzt, weiß davon nichts, er hat Zeit, nicht im bequemen Hindösen, sondern in der wachsten Spannung. Deshalb ist es ja auch mit dem anderen verständnisvollen Wort nichts: /ec/er Strich ist sozusagen gespannte Aktion. Und nachher eine heitere Müdigkeit. Diese «Kunst» ist in so angenehmer Weise altruistisch - sie stört niemanden; mit diesen Worten soll keine posthume Polemik gegen die klavierübende Jungfrau zum Druck befördert werden, die einmal durch lange Zeit mein Arbeitsleben genußvoll verdüsterte. Und fast jede solche Zeichnung — draußen, auf der Wanderung — trägt eine Anekdote mit sich: da Gespräch mit einer bayrischen Bäuerin, dort ein höchst wirkungsvoller Fluch gegen eine Rasselbande arabisch-israelischer Buben, hier plötzliches Abbrechen wegen Gewitter und guter Schnaps im rettenden Nachbarhaus.
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