Mythos zwischen Dichtung und Wahrheit Bringen Sie mich nicht in Kontext mit anderen Schauspielern. Ich habe nichts gesagt, was andere schon gesagt haben. Schon aus Prinzip nicht. Der hier 1985 in einem Interview keinerlei Vergleiche duldet, war ein deutscher Weltstar, ein begnadeter Schauspieler und ein ebenso talentierter Selbstdarsteller. Wie kein anderer seiner Kollegen hat Klaus Kinski an seiner eigenen Legende gearbeitet. Zwar lag ihm wenig an dem Bild, das die Nachwelt von ihm haben mochte, aber den Augenblick konnte er nicht ungestaltet...
Mythos zwischen Dichtung und Wahrheit Bringen Sie mich nicht in Kontext mit anderen Schauspielern. Ich habe nichts gesagt, was andere schon gesagt haben. Schon aus Prinzip nicht. Der hier 1985 in einem Interview keinerlei Vergleiche duldet, war ein deutscher Weltstar, ein begnadeter Schauspieler und ein ebenso talentierter Selbstdarsteller. Wie kein anderer seiner Kollegen hat Klaus Kinski an seiner eigenen Legende gearbeitet. Zwar lag ihm wenig an dem Bild, das die Nachwelt von ihm haben mochte, aber den Augenblick konnte er nicht ungestaltet aus der Hand geben, und der Zuschauer und dessen Reaktion waren in seiner Kunst und seinen öffendichen Auftritten fest einkalkuliert. In den Anfangsjahren seiner Karriere schrieb Kinski noch persönlich positive Kritiken mit der Schreibmaschine oder sogar der Hand ab, während er sich gegen negative Besprechungen in wüst schimpfenden Leserbriefen wandte. Das Gedicht Kinski aus seinem Lyrikband Fieber - Tagebuch eines Aussätzigen setzte er ausschließlich aus Kritikfragmenten zusammen, und bei seinen Fotografen war er lange Zeit der beste Kunde für Abzüge.Seine persönliche Unsicherheit war es, die ihn zwang, auch im Privaten immer eine Rolle zu spielen und ihrer künsderischen Gestaltung mehr Aufmerksamkeit zu schenken als den Figuren, die er im Lauf seiner Karriere darstellte. In Interviews unterbrach er seine Gesprächspartner, um jedweder Verletzung zuvorzukommen. Die Hauptrollen bei profilierten Regisseuren lehnte er ab, um sich keinen künstlerischen Anweisungen fügen zu müssen; Werner Herzog bildete eine Ausnahme, da er Kinski seine Rolle selbst gestalten ließ, denn als Genie von eigenen Gnaden duldete Kinski weder Maßregelungen noch Kritik oder Widerspruch. Folgerichtig sind die wenigsten seiner Filme gut, während er fast immer eine - im doppelten Wortsinn - herausragende Leistung zeigt: Aus dem Rahmen zu fallen war bei ihm nicht nur Ergebnis, sondern Vorsatz.Was auch immer seine Umwelt ihm vorzuwerfen hatte, Kinski machte stets seine - frei erfundene - entbehrungsreiche Kindheit dafür verantwordich, und auch dem Krieg gab er einen
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