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Von klassischen Zielen und klassischen MittelnManchem flößt das Wort Klassik übertriebene Ehrfurcht ein. Damit verstellt man sich allerdings leicht den Blick. Was ist eigentlich Klassik? Das sollte geklärt sein, bevor wir uns auf unsere Klassikerstraße begeben. Im allgemeinen Sprachgebrauch gilt das Klassische als Höhepunkt: Das Allgemeingültige, Vollendete, auch das Harmonische und Ausgewogene. Wir sehen es als erstrangig, maßgebend, mustergültig und vorbildlich bis ideal an und verwenden eine solche Wertung mit Vorliebe für eine bestimmte Entwicklungsstufe von Kunst und Kultur.Die vielfältige Anwendung des Begriffes Klassik hat allerdings für eine gewisse Sprachverwirrung gesorgt. In der Musikgeschichte gibt es die Wiener Klassik mit Haydn, Mozart, Beethoven. Aber längst sind wir gewohnt, alle Musik, die nicht Schlager, Pop, Jazz oder Operette ist, klassische Musik zu nennen, und es gibt Klassiker der Operette wie des Jazz. Auch die Philosophie hatte ihre Klassiker. Die Kunst der Moderne rebellierte gegen einen erstarrenden, akademischen, pseudoklassischen Stil. Der Begriff klassisch rückte in die Nähe von traditionell und konventionell. Und längst haben wir Klassiker der Moderne.Dennoch läßt sich ein spezifischer Begriff der Klassik als Stil und Wertung, als unverwechselbare Gemeinsamkeit bestimmter künstlerischer Mittel, Inhalte und Ziele bis zu einem verbindlichen Vorbild zurückverfolgen. Künstler und Gelehrte der Renaissance, vor allem die Humanisten, hatten eine für Europa folgenreiche Entdeckung gemacht: Vor dem Mittelalter gab es eine Epoche, die ihm an Kenntnissen, Gesittung und Ausdruckskraft überlegen war, die Antike, und sie feierten ihre Wiedergeburt. Seither gilt die griechisch-römische Antike als das klassische Altertum, die Literatursprachen dieser Zeit, das Altgriechische und das Lateinische, werden als klassische Sprachen eingestuft, sie zu erlernen gehört zur humanistischen Bildung, und die entsprechende Wissenschaft nennt sich klassische Philologie. Aber es blieb nicht dabei. Die Griechen mochten ihre Klassiker hervorgebracht haben: Homer, die Philosophen und Geschichtsschreiber, die Dichter der Tragödie und der Komödie, Architekten und Bildhauer im Jahrhundert des Perikles, und die Römer, wenn auch vorwiegend Nachahmer, die ihren mit Vergil und anderen Dichtern, die den Geist der Adelsrepublik ins augusteische Zeitalter des frühen