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ERSTES KAPITEL
Die Abendschatten senkten sich über das Land. Noch einmal brach ein kupferroter Sonnenstrahl vom unteren Rande des dunstigen Himmels durch die Bäume. Auf der alten Weide am Flußufer putzte ein großer Vogel seine Federn. Sein Flügel zitterte schwach, imd er bohrte seinen Schnabel tief in das Gefieder. Satt gefressen war der Vogel von dem vielen Fleisch in den letzten Tagen. Und es schien, daß in diesem Winter die Prasserei ewig währen würde.
Der Geier reckte seinen nackten Hals nach Osten. Wenn er wieder Hunger verspürte, brauchte er nur eine Stunde lang zu fliegen, dorthin, wo ihn abermals eine üppige Mahlzeit erwartete. Adler und Geier, Raben und Krähen bevölkerten die Wiese, doch fand sich für alle reichlich Nahrung. Niemand störte das Heer der schmausenden Vögel. Keine Menschenseele ließ sich seit Tagen in der Nähe blicken. Die letzten kühlen, nebligen Wintertage zogen über das Land. Weiden und Wiesen waren noch kahl, die Sonne bleich, die Zweige nackt. Der betäubende Lärm der Menschen hatte sich verkrochen. Die stumme Landschaft zwischen der Weißen und der Schwarzen Körös war ein Reich der Vögel und der schleichenden Wölfe. Und doch stand gar nicht weit von hier noch unlängst ein Dorf, eine Behausung der Menschen, war Leben und Treiben, klang Glockengeläut, und Rauch stieg aus den Schornsteinen auf. Aber eines Tages stieg er nicht mehr auf, sondern ballte sich in dichten Schwaden über dem ganzen