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DREI SCHWIERIGKEITEN BEIM SCHREIBEN DES DRAMAS
W^er moderne, noch nicht vom Weltruhm verhüllte oder durch vielfache Gewohnheit stumpf gewordene Dramen vergleicht mit den großen Werken der Gattung, wie sie vom ersten Tragiker Aischylos bis zum vielleicht letzten Tragiker Gerhart Hauptmann niedergelegt wurden, dem drängen sich nur zu leicht Äußerungen der Resignation, des Ungenügens auf die Lippen. Und wenn man dann, tapfer das Faktum der Zeitgenossenschaft auf sich nehmend, nach Möglichkeiten sucht, auch die dramatische Gegenwartsliteratur zu bejahen, so steht diese Bejahung oft genug in einem verräterischen Mißverhältnis zu den Worten und Argumenten, die man zum Preis des traditionellen Schauspiels fand.
Nachdem eben noch von Tragik, Leidenschaft oder von einem dramatisch in Frage gestellten Kosmos die Rede war - oder auch von der Heiterkeit entfessehen Spiels, von den Phantasmagorien des Glücks, welches die Menschen In dem traditionellen Lustspiel zueinander finden ließ -, ändert sich nun das Vokabular. Da Ist dann von kritischer Ironie die Rede, von sarkastischer Enthüllung, nur gelegentlich - fast verschämt - von poetischer Reflexion. Man merkt dieser zeitgenössischen Variation des Vokabulars leicht die Beklemmung, die zusammengepreßten Lippen an. Alles das wirkt wie eine Flucht Ins wohlmeinende Ja, aus Angst vor dem sterilen Nein. Indessen gibt es kaum ein überzeugenderes Argument selbst für das abwegigste, ephemerste, modernste Stück als den klassizistischen Rückgriff. Wer bei lonesco oder Beckett mit den Bedenken nicht fertig wurde, der schließt sogar das absurde Theater In die Arme, nachdem er plötzlich einem traditionellen Geschichtsdrama, geschrieben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, begegnet Ist. Welch merkwürdiger Schatten Ist da doch auf die Konflikte gefallen, die uns erregen, wenn sie im Busen Shakespearescher oder Schillerscher Helden toben - und kalt lassen, wenn sich ein tüchtiger Dramatiker unserer Zeit Ihrer noch einmal annimmt. Wie verwesllch wirkt alles das, was noch der Deutschlehrer „Ewig-Menschllches" nannte und was Im Gefäß der großen klassischen Tragödien auch heute noch unwiderlegt auf seinen Ewigkeitsanspruch pochen kann. Es scheint,