Bővebb ismertető
EínleítungSchluft akkord undNeubegínnEs gibt dreierlei Arten Leser: eine, die ohne Urteil genie&t, eine dritte, die ohne zu geniefien urteilt, die mittlere, die geniefiend urteilt und urteilend geniefit; diese reproduziert eigentlich das Kunstwerk aufs neue. Johann Wolfgang von Goethe1Kubus und ArabeskeDie Resonanz des Betrachters erschafft das Kunstwerk aufs neue - oder, über Goethe hin-ausgehend, Panofsky2 folgend -, das Erieben des Betrachters láfct ein Kunstwerk entstehen. Es ist möglich, jeden Gegenstand, sei er natürlich oder von Menschen angefertigt, ásthetisch zu erieben, und es ist eine ausschlieRlich persönliche Ent-scheidung, ob wir ihn ásthetisch erieben oder nicht. Nicht jedes Kunstwerk wird, auch wenn es die Intention seines Schöpfers ist, demnach ásthetisch erfahren. Dies hángt von der Domi-nanz der Beeinflussungskriterien ab: Reagiere ich vorzugsweise auf die Form oder das Sujet oder die Idee oder den Inhalt, und in welcher Weise assoziiere ich diese Elemente? Die Absicht des Künstlers braucht ein Gegenüber, selbst das bewuftt geschaffene Kunstwerk ist abhángig vom Rüstzeug des Betrachters. Für die Erschaffung eines Kunstwerks bedarf es der visuellen Übung des Betrachters und seiner geistig-kulturellen Ausstattung, die wiederum die unterschiedlich-sten Gedankenverbindungen auslöst. Dieser Exkurs dient dem Verstándnis des Jugend-stils, der einerseits als Aufbruch zur Moderne und als erster und letzter einheitlicher Stil nach dem Barock geíeiert, andererseits als 0ma-menthölle, Kitsch und Kunstgewerbe abgetan wird. Die Ásthetik des Jugendstils ist eine Ásthe-tik des Widerspruchs, und um die Widersprüche als Kunstwerk erlebbar zu machen, sind über den wahrnehmbaren Gegenstand hinausreichendeEinsichten vonnöten, die jenseits der visuellen Wahrnehmung liegen. GewiR> ist jeder Stil ein-zigartig, aber der Jugendstil ist einzigartig unter den Stilen.3 Bevor die erstaunliche Qualitát, die dieser Stil für die Kunstentwicklung des 20. Jahr-hunderts besaft, als Kritérium angewandt wird, muft der Jugendstil, diese vergleichsweise kurz-lebige Epoche von rund 25 Jahren Dauer, als Eigenleistung respektiert werden. Viele Rich-tungen der vergangenen Kunst habén sich als >modern< erklárt. Davon, daí?> schon der Erbauer der ersten gotischen Kathedrale an seinem Werk das >opus modernum< von dem >opus antiquum< unterschied, können wirabsehen. Aber schon das Rokoko wurde von Zeitgenossen >style moderne< genannt. Was wir >Jugendstil< zu nennen pflegen, hieíS in England um 1890 >modern style<.4 Der Art Nouveau, die Neue Kunst, war und ist modern und war und ist zugleich historisch. Die gewaltige Mutation einer Jahrhundertwende - die Extrémé unserer Gegenwart sind nicht geringer- barg den Reiz des schönen Todes wie die Keimzelle für allerhand noch heute Aktuelles. Wir waren alle Art-nouveau-Künstler. Es gab so viele wilde, wahn-witzige Kurven an diesen Métroeingángen und an all den Werken des Art nouveau, daft ich dagegen rebellierte und mich fast ausschlie&lich auf gerade Linien beschránkte. Trotzdem nahm auch ich auf meine Art am Art nouveau teil. Denn wenn man auch gegen eine Bewegung ist, so bleibt man doch ein Teil von ihr.5 Kubus und Arabeske (Abb. rechts und linké Seite) sind Für und Wider der gleichen Bewegung, die ihre Quelle in dem glei-chen Fundus philosophischer, literarischer, künst-lerischer wie sozialreformerischer Ideen und Gedanken hat. Das Rüstzeug, der kulturell-poli-tische Hintergrund, formte das Gestaltungsprin-zip. Eine grofte Spannung der Betrachtung ergibtJosef HoffmannGeometrísches Design, um 1905 Bleistift, Tusche, 29,5 x 21 cm