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ALS Joseph Kerkhoven an dem tragischen Frühherbst-tag des Jahres 1929 hilflos zusammenbrach, weil er ent-deckt hatte, daß die Frau, die er liebte, ihn mit demjungen Freund und Schüler Etzel Andergast, dem er unge-messenes Vertrauen geschenkt, hintergangen hatte, daß alsodie beiden teuersten Menschen der Welt zu Betrügern an ihmgeworden waren, sah er zunächst keine Möglichkeit, das ge-wohnte Leben weiterzuführen.Was ihn so grausam hinwarf, war der unerwartete Überfallauf seine Person, die er seit einer Reihe von Jahren den An-griffen des Schicksals entzogen wähnte. Tagtäglich bedrängtvon unendlicher Menschennot, hatte er seiner selbst nach undnach vergessen. Daß es auch ihn einmal packen und nieder-schlagen könne, war im Programm nicht vorgesehen. DasSchicksal war ihm zu einem Kollektivbegriff geworden. Damitwar eine starre und, wie er jetzt zu spät erfuhr, trügerischeSicherheit über ihn gekommen, wie wenn privates Unglück,persönliches Leiden, individueller Schmerz für ihn nicht mehrexistierten. Für andere Menschen wirkend und ihnen aus-schließlich hingegeben, hatte er sich so weit von sich ent-fernt, daß der Mann und Mensch Kerkhoven zuletzt nur nochvom äußerlichen Mechanismus des Daseins bewegt wurde.Er hatte so lange über den Geschicken gelebt und sie re-giert, daß er nicht mehr wußte, wie es ist, wenn man selberunter die Räder kommt. Er hatte nun Gelegenheit, über denUnterschied nachzudenken, der zwischen einer Wunde be-steht, die man als Arzt behandelt, und einer, an der manverblutet.2Es klingt unglaubhaft, dennoch war es so: erst im Augen-blick der Katastrophe erkannte er, daß das, was ihn mitMarie verband, an die Wurzeln seiner Existenz ging. So, als