Bővebb ismertető
Die Weltanschauung Immanuel Kant's entspringt der scharfsinnigsten Zerghederung des Menschengeistes und seines Verhältnisses zur umgebenden Natur; ist es möglich, einem unvorbereiteten Laienpublikum eine klare Vorstellung von ihr beizubringen? Kann kritische Erkenntnistheorie gemeinverständhch dargestellt werden? Ich glaube es nicht. Und doch ist der Wunsch, einen Mann von der Bedeutung Kant's nicht einer Gelehrtenkaste zum Alleinbesitz zu überlassen, sondei-n ihn allen Gebildeten zu einem kostbarsten Eigentum zu machen, so berechtigt, dass er sich vieler-orten zu regen beginnt; auch hat bereits eine Anzahl tüchtiger Männer, jeder in seiner Art, dies Ziel ins Auge gefasst und manches Gute zustande gebracht. Kant hatte gesagt, er sei zu fi'üh gekommen, sein Morgen werde erst nach einem Jahrhundert aufgehen. Jetzt dämmert dieser Morgen. Nicht Zufall ist es, wenn die erste vollständige und diplomatisch genaue Ausgabe der sämthchen Schriften und Briefe Kant's im Jahre 1900 zu erscheinen begann; das neue Jahrhundert bedarf dieses starken Schutzgeistes, der von seiner Weltanschauung urteilen durfte, sie bewirke eine der Kopernikanischen analoge Umänderung der Denkart. Heute wissen es Einige und ahnen es Viele, dass diese Weltanschauung einen Grundpfeiler der Kultur der Zukunft bilden muss. Für jeden gebildeten und gesitteten Menschen besitzt das Denken Kant's vorbildliche Bedeutung; es bewahrt vor den beiden entgegengesetzten Gefahren; priester-hchem Dogmatismus und wissenschaftlichem Aberglauben, und es stärkt zur hingebenden Erfüllung der Lebenspflichten.Wo nun ein Bedürfnis gross und allgemein ist, da haben viele das Recht, Hand ans Werk zu legen. Kant und seinen Auslegern gelten bekanntlich Schiller's Verse:Wie doch ein einziger Reicher so viele Bettler in NahrungSetzt! Wenn die Könige bau'n, haben die Kärrner zu tun.Auch ich bin ein Bettler. Ein Bettler, der seit früher Jugend an dem reichen Tische des Denkerkönigs gesessen hat. Doch sorglos sass ich bisher an diesem Tische; ich war mehr Bettler als Kärrner; meinen Geist nährte ich, mich aber setzte ich nicht in Nahrung. Nie hatte ich daran gedacht, dieses innere Ereignis könne einmal Anderen zugute kommen. Und damit der Leser genau wisse, welches bestimmte Ziel ich mir in den folgenden Vorträgen gesetzt habe, zugleich aber ersehe, was ich nicht bezwecke, will ich erstens über