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Gefangen im Netz der Zauberer
Sie lassen mich nicht los, die Zauberer der Familie Mann mit all ihren Masken und Verkleidungen, die sie in der Realität ihres Seins und in der ihrer literarischen Werke angenommen haben. »Zauberer« wurde Thomas Mann von seinen Kindern genannt', und so wie sie sich von ihm und seinen Geschichten verzaubern ließen, haben sich Leserinnen und Leser vom Zauber seiner Werke einfangen lassen. Auch der Bruder Heinrich, der andere Schriftsteller dieser Generation der Familie, war ein Zauberer, der von vielen sogar für größer gehalten wird als der mehr gerühmte Bruder. Und Klaus - der mit weiteren Namen Heinrich Thomas hieß - wurde des Vaters und des Onkels »Zauberlehrling«, der vielleicht tatsächlich »die Geister, die er rief«, nicht wieder loswurde und sich in seinen und ihren Geschichten tödlich verstrickte. Mich haben von jeher nicht nur einzelne Werke von Thomas, Heinrich und Klaus Mann fasziniert, sondern das gesamte Netz, das sie woben, in dem sie sich tragen und hochheben ließen, aus dem sie aber auch hinabstürzten und dabei andere mit sich zogen.
Es ist ein Gewebe aus »wahren« und »erdachten« Geschichten, die für die Beteiligten eine einzige, unentwirrbar verwobene Wirklichkeit darstellten. So stand beispielsweise den Kindern Thomas Manns sein Roman Buddenbrooks näher als die eigene Familiengeschichte. 2 Die Werke gewannen auch für ihre Schöpfer ein Eigenleben, das auf sie zurückwirkte, so daß sie selbst in ihre eigenen Geschichten eingesponnen, eingeschlossen wurden. Wie weitgehend dies geschah und wie sehr sie sich dadurch ihrer Mitmenschen, ja ihrer eigenen Person entfremdeten, wieviel Verwirrung sie in das Netz der Familie brachten, davon soll hier die Rede sein.
Es geht mir darum, die vielen Geschichten der Familie - die zu Literatur gewordenen ebenso wie die nicht gedruckten und die verheimlichten - miteinander zu vergleichen und ihre Wirkung auf die Beteiligten zu betrachten. Dabei spielen ganz besonders auch Geschichten eine Rolle, die aus früheren Generationen überliefert sind. Vieles daraus haben Heinrich und Thomas Mann in ihre Werke ein-