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I
Die Stille im Ordinationszimmer war beklemmend. Es war wie eine stumme Drohung.
Nichts war zu hören außer dem Rascheln der Papiere, in denen der Arzt blätterte.
Er war ein alter Mann. Sein schütteres, weißes Haar hatte gelbe Strähnen. Seine linke Wange verzog sich alle paar Sekunden in einem nervösen Zucken, das die Narbe entlanglief, die wohl von einer Mensur stammte, die vor einem halben Jahrhundert geschlagen worden war.
Und da waren die Hände.
Die Hände, die einen kleinen weißen Zettel aus dem grünen Lederkasten auf dem Schreibtisch zogen.
Die Gelenke der Finger waren knotig vom Alter, die Handrücken gesprenkelt mit braunen Leberflecken. Schwärzlich violett zeichneten sich dicksträhnig die Adern unter der dünnen, pergamentenen Haut ab.
Alexandra Raven mußte ihren Blick von den Händen abwenden, die sie eben noch untersucht hatten. Übelkeit stieg in ihr hoch.
Der Arzt drehte das kleine, weiße Blatt zwischen seinen Fingerspitzen.
»Sie wissen, was Sie von mir verlangen?« fragte er. Seine Stimme klang müde und gleichgültig.
Alexandra las in seinen Augen Verachtung und Widerwillen.
Stumm nickte sie. Sie brauchte sich nicht zum Weinen zu zwingen, und sie wußte, daß kein Mann den Tränen in ihren schwarzen, weit auseinanderstehenden Augen widerstehen konnte.
»Ich bin verheiratet«, flüsterte sie, »aber mein Mann ist schon so lange von zu Hause weg. Seit einem Jahr. In Indien. Wir waren nie sehr glücklich miteinandei". Ich war so al-