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Michelangelo Buonarotti - Ich Michelangelo [antikvár]
 
Feuer und Finsternis seines Jahrhunderts haben sein Leben dunkelglühend gemacht. Im Schatten glühend, nennt er sich selber im Gedicht, er, Michelangelo Buonarroti, Bildhauer und Maler, Dichter und Baumeister aus Florenz. Ein Mensch, gepflanzt im Schatten, der bekennt: Was brennt und glüht, ist mir als Nahrung gut, was andre tötet, das hilft mir zum Leben. Die hochgewaltsame Selbstbehauptung hinter dieser poetischen Wendung verrät das Außerordentliche eines Mannes, der das Außerordentliche will. Der größte Mensch, der jemals auf der...
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Feuer und Finsternis seines Jahrhunderts haben sein Leben dunkelglühend gemacht. Im Schatten glühend, nennt er sich selber im Gedicht, er, Michelangelo Buonarroti, Bildhauer und Maler, Dichter und Baumeister aus Florenz. Ein Mensch, gepflanzt im Schatten, der bekennt: Was brennt und glüht, ist mir als Nahrung gut, was andre tötet, das hilft mir zum Leben. Die hochgewaltsame Selbstbehauptung hinter dieser poetischen Wendung verrät das Außerordentliche eines Mannes, der das Außerordentliche will. Der größte Mensch, der jemals auf der Welt gewesen ist, lautet, als er stirbt, das Urteil seines Arztes und Freundes. Ein Riese an Denkkraft und Leidenschaft und Charakter: dies Wort von Friedrich Engels, dreihundert Jahre später, meint auch ihn, Michelangelo.Finsternis und Feuer, Glut und Schatten durch sein Leben hin: es sind die Feuer und Finsternisse seiner großen Epoche, sie reichen bis in seine innerste Existenz.Und so wie einer, der sich selber äfft, noch dunkler wird, wenn schon die Nacht genügte, beklag ich noch mein schwärzliches Geschäft, heißt es im Zentrum seiner dichterischen Selbstdarstellung; er schreibt in den Briefen seines hohen Alters: Der Mensch soll nicht lachen, wenn die ganze Welt in Tränen ist. Finsternis - das ist die halbe Knechtschaft, in der er sich als von Päpsten und Fürsten bedingungslos abhängiger Künstler sein Leben lang findet, ist der Strick, den er vor Papst Julius II. um seinen Hals fühlt; das ist der bittere Verlust der bürgerlichen Freiheit in Florenz, jenes ohnmächtige Glück seiner steingewordenen Nacht: Nicht hören und nicht sehen; das ist die dauernde Drohung eines restaurierten Mittelalters, die Gegenreformation, die den nackten Leibern seiner Auferstehenden im Jüngsten Gericht Hosen anziehen läßt; das ist in dieser Epoche rücksichtsloser Machtkämpfe zwischen den reichen Bürgerhäusern, zwischen den mächtigen Monarchien, in diesem Jahrhundert der Sklavenjagden und der Bauernerhebungen alle jene Not und Drangsal in der Welt, jene unersättliche Selbstüberhebung der Gewalt, die vor seinem inneren Auge die Gestalt eines alten Riesenweibes annimmt, in Finsternissen hausend und mit des Volkes Not auf dem Gewissen; mehr als einmal in seinem ruhmreichen Leben ist er vor ihr auf der Flucht: 1494 aus Florenz, 1506 aus Rom, 1529 aus Florenz, 1556 aus Rom. Finsternis - das Falsche frohlockt, Wahrheit dringt nicht vor.Doch über die Finsternis der Epoche erhebt sich ihr Feuer, und es überstrahlt die dunkle Glut der Scheiterhaufen, welche brannten für die spanischen Juden,

Termékadatok

Cím: Ich Michelangelo [antikvár]
Szerző: Michelangelo Buonarotti
Kiadó: Henschelverlag
Kötés: Vászon
Méret: 170 mm x 240 mm
Michelangelo Buonarotti művei
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