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Dr. Jenny Isaksson, Psychiater: Eine anpassungsfáhige, tüchtige und disziplinierte Persönlichkeit, eine hochqualifizierte, im Beruf stehende Frau, glücklich verheiratet mit einem begabten Kollegen, umgeben von den sogenannten >guten Dingen des Lebens<. Doch was nutzen ihr diese Dinge, was der Erfolg? Ihnen hat sie die Ausbildung so elementarer Qualitáten wie Anteilnahme, Fürsorge, Liebesfáhigkeit geopfert. Dem schmerzhaften Bewufitwerden ihrer seelischen Verkrüppelung versucht Jenny durch Selbstmord zu entweichen. Von Angesicht zu Angesicht dem Tode nah, erlebt sie ihre qualvolle Wiedergeburt. In seinem Filmszenarium Herbstsonate beschreibt Ingmar Bergman (geb. 1918) die grausame Leere in den Beziehungen zweier Frauen, Mutter und Tochter. Beide habén sie Liebe und Toleranz für ihre Umwelt verloren. Charlotte, eine erfolgreiche Pianistin, hat die Erziehung ihrer heute erwachsenen Tochter Eva und alle familiáren Verpflichtungen zugunsten der Karriere geopfert. Ein Wiedersehen nach sieben Jahren des Schweigens bringt nicht die erhoffte Aussöhnung. Weder Charlotte noch Eva, die mit ihrem Mann ein nach aufienhin glückliches Leben in einem idyllischen Pfarrhaus führt, finden die Kraft zu bedingungsloser Hingabe. Statt ihr eigenes Leben in Frage zu stellen, rechnen sie sich Schuld und Versagen auf, statt ihrem Liebesanspruch Ausdruck zu verleihen, flüchten sie in neue ungerechte Vorwürfe. Ibsen, Strindberg, heute Bergman. Die Lebenslüge in der schützenden Hülle eines Puppenheims - ein typisch skandinavisches Problem? Die überaus grofíe Betroffenheit, die auf der ganzen Welt Ingmar Bermans Filmé Die Berührung (1971), Szenen einer Ehe (1974), Von Angesicht zu Angesicht (1976) und Herbstsonate (1978) auslösten, deutet an, dafi ein Überdenken althergebrachter Konventionen des Zusammenlebens eine Forderung an jeden Zeitgenossen ist.