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Die Saat
Hemma kauerte auf der kalten Sandsteinstufe des Zwingertürleins und schaute dem Manne zu, der da im Schatten der Linde saß und auf einem pergamentbespannten Brett geheimnisvolle Linien zog. Aufmerksam betrachtete sie sein breites, mageres, braunes Gesicht, in dem sich die funkelnden Augen immer tiefer unter den buschigen, ausgebleichten Brauen zu verstecken schienen. Sein strähniges hellbraunes Haar bedeckte den Kopf wie eine runde Kappe. Sein Mund war schmal zusammengepreßt, doch manchmal warf er ihn auf und blies durch die Lippen. Dann pfiff er wieder oder stieß ein ärger-lidies Ächzen aus. Es war sehr sonderbar. „Meister Pezilin, was tut Ihr da?" fragte Hemma endlich. Sie bekam lange keine Antwort. Doch da sie sich schon damit abgefunden hatte, daß Meister Pezilin ihre schüchterne Frage überhört oder verworfen habe, blickte er sie unvermittelt scharf an und sagte rasch: „Ich zeichne das Kloster von Lieding." „Ach, für die Großmutter?" „Ja, für Frau Imma."
Dann zeichnete er wieder weiter. Hemma stand nach einer Weile auf und schlich näher. Meister Pezilin schien sie gar nicht zu bemerken, so daß sie endlich wagte, ihm über den Arm zu lugen. Doch statt des schönen, herrlichen Klosters, von dem die Großmutter so oft sprach, sah sie nur schwarze, krumme und gerade Striche, die sich auf eine überaus klare und doch rätselhafte Weise kreuzten und berührten.
Hemmas Ehrfurcht vor Meister Pezilin wuchs ins Ängstliche. Sie wußte nicht, was dieses dürre, wirre Bild bedeutete, doch verstand sie sofort, daß es eine große Kunst war, es zu zeichnen. Regjos stand sie neben dem Meister und sah ihm zu, wunderlich erregt von seinem grübelnden Innehalten, seinem zugreifenden, vorsichtigen Stricheln und Zeichnen. Es schien ihr so wundersam, hier zu stehen und Meister Pezilin zu belauschen, daß sie heimlich davor
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