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EINLEITUNG
Die Diskussion um eine »Heilende Seelsorge«
Die Psychologie und die Psychotherapie haben sich seit den Anfängen der Psychoanalyse und besonders in den letzten dreißig Jahren mit zu den wichtigsten humanwissenschaftlichen Gesprächspartnerinnen' der praktischen Theologie entwickelt. Eine beinahe unüberschaubare Flut von Veröffentlichungen, die im Titel Wortzusammensetzungen mit »heilend«, »therapeutisch« oder »psychologisch« tragen, bestätigen dieses Interesse.^ Gleichzeitig gibt es sowohl unter Psychotherapeuten wie auch innerhalb der Theologie Kritiker und Skeptiker, die eine Zusammenarbeit beider Disziplinen ablehnen. Psychotherapiekritiker monieren im eigenen Lager den immer weiter ausufernden »Markt der Möglichkeiten«, der sich immer weniger einer kritischen Überprüfung seiner eigenen Effizienz stellt.^ In bezug auf die Zusammenarbeit mit Theologie und Seelsorge"* befürchten sie eine zunehmende »Verwässerung« klassisch psychotherapeutischer Verfahren und die Auflösung des eigentlich »Therapeutischen« ins allgemein Soziale und Humane hinein. ' Die theologische Kritik bezieht sich einerseits generell auf das scheinbar allzu offenherzige »aggiornamento« von Kirche und Theologie an die modernen Gesellschafts- und Humanwissenschaften. Sie kommt aber auch von Seiten derer, die die Art und Weise der Übernahme von psychotherapeutischen Erkenntnissen in die Theologie oder die pastorale Praxis kritisch betrachten und eine ernsthaftere praktisch-theologische Auseinandersetzung fordern.
Ganzheit, Heilung und Heil sind dennoch Grundbegriffe, die heute aus keiner ernstzunehmenden Beschäftigung mit pastoralen Konzepten mehr wegzudenken sind. Die heilsame Dimension des Glaubens in der Gemeinde und als Gemeinde zu erfahren, ist angesichts der schleichenden Auswanderung aus den institutionalisierten Kirchen und der gleichzeitigen vermehrten Zuwendung vieler Menschen zu »Geistheilern« und charismatischen Gebetsgruppen (mit Heilungsgottesdiensten) ein Gebot der Stunde. Kirchen und Gemeinden sind dazu auch durch verschiedene Erscheinungen des immer mehr zusammenwachsenden Psycho- und Religionsmarktes herausgefordert.^
Ein Aufgreifen dieses »Zeitzeichens« von Seiten der Theologie und pastoralen Praxis ist nicht mehr wegzuleugnen und zeigt sich nicht nur an den oben erwähnten Buchveröffentlichungen: Die Pastoralpsychologie etabliert sich an den Universitäten und ist über ihren »exotischen« Randstatus schon lange hinaus; die Beschäftigung mit psychologischen und psychotherapeutischen Konzeptionen wird seit dem IL Vatikanischen Konzil auch kirchenamtlicher-seits kaum mehr ernsthaft als Gefahr für den Glauben empfunden.^ Dennoch bleibt eine »Heilende Seelsorge« immer noch eher ein Silberstreif am Horizont als eine konkret faßbare und sichtbare Realität in den Gemeinden. Auch