Bővebb ismertető
VORWORT
Hans Holbein d. J. steht vor den Toren der Zeit. Was sie verlangt, er bringt es mit. Treue im Kleinsten und Mut zum Größten, Zurücktreten des Menschlichen hinter dem Werke, strenge Selbstzucht und vollendete Klarheit der Gestaltung — das ist Holbeins Wesen.
Es sind die besten Eigenschaften der Deutschen, durch die Holbein der größte Maler auf englischem Boden geworden ist. Nach Blut und Artung rein deutsch, hat Holbein — wie zwei Jahrhunderte nach ihm Georg Friedrich Händel — von England aus seiner Kunst europäische Gültigkeit gewonnen. Das ist Holbeins Sendung.
Holbein war, gleich Dürer und den italienischen Zeitgenossen beider, eine umfassende Natur. Als Graphiker und als Wandmaler, als entwerfender Künstler für Glas und Gold, als Zeichner von Buchschmuck und als Maler von Andachtsbildern, von der Miniatur bis zum Monumentalgemälde, hat Holbein Großes geleistet. Das schlechthin Vollkommene aber gab er als Bildniskünstler. Holbeins internationaler Ruhm haftet mit Recht an seinen wunderbaren Bildnissen. Das ist Holbeins Werk.
Dieses vielfältige Schöpfertum mußte sich auf verschiedenen Lebensschauplätzen entfalten. Im maximilianischen Augsburg, im erasmischen Basel, auf Werkreisen durch Italien und Frankreich und im London Heinrichs VIII. Im Dienste des Baseler Rates, der Kirche und des englischen Königs, für schweizerische und französische Verleger hat Holbein gearbeitet. Seine Modelle und Auftraggeber gehörten verschiedenen Ständen, Nationen und Rassen an. Durch das stürmische Zeitalter der Renaissance und Reformation ist Holbein den stillen Weg des Genius gegangen. Das ist seine Welt.
Wesen, Welt, Werk und Sendung des deutschen Malers Holbein zu beschreiben und ihn vor dem Hintergrunde seines Jahrhunderts lebendig auftreten zu lassen, ist die Aufgabe dieses Buches.
Halle/S. und Kampen a. Sylt Wilhelm Waetzoldt
Herbst 1937