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Uwe Kolbe Hinterland, Fluchten Es war einmal in derzeit, als die Mauer noch stand
Die Sprache des neuen Deutschland reagierte täglich auf die Sprache
zu Manfred Pauls ausgewählten Porträts der Mauer des Klassenfeindes. Die Manöver auf den monströsen Truppen-
übungsplätzen behaupteten ein und dieselbe Stoßrichtung. Die Landkarten des Oberharzes, des Gebietes westlich der Wartburg, des Schaalsees in Mecklenburg und vieler anderer denkbar reizvoller Ausflugsziele, sie ließen topographische Genauigkeit vermissen und führten die Wanderer in die Irre.
Mehr als anderswo im Ländchen konnte sich dies Irren steigern in Berlin, in der behaupteten Hauptstadt eines behaupteten Landes. Der damals Ostberliner Autor Frank-Wolf Matthies schrieb dazu: »Nehmen wir nur diese mysteriöse Ubahn. So befinden sich auf der Friedrichstraße, & auch auf vielen anderen Straßen der oben näher bezeichneten Stadt, vergitterte Öffnungen von Luftschächten. Stellen Sie sich an einen dieser Luftschächte & lauschen Sie einige Zeit, plötzlich wird sie ein Luftzug anwehen & Sie werden ein Geräusch wahrnehmen, als wenn eine Ubahn unter Ihren Füßen fährt, auch werden Sie dieses charakteristische Vibrieren des Bodens bemerken. & nun lassen Sie Ihre Augen die Straßen der Umgebung absuchen, Sie werden nichts bemerken! Tun Sie ein Weiteres: sehen Sie auf den Stadtplan: Nichts!!! Sie werden nichts entdecken Nicht den geringsten Hinweis auf eine Ubahnlinie.« (Frank-Wolf Matthies: Für Patricia im Winter, Reinbek 1981, S.12)
Als das vorstehend zitierte Buch erschien, lebte sein Autor bereits in Westberlin. Seine Texte hatten ihn zum wiederholten Mal ins Gefängnis gebracht. Er hatte die zum Irrationalismus gesteigerte Existenz eines der bestverteidigten Tabus der DDR nicht anerkannt. Photographien wie die in dem vorliegenden Band versammelten wurden erst möglich, nachdem das Tabu gefallen, im Wortsinn durchbrochen worden war. Nicht nur durfte die Mauer plötzlich auch in den DDR-Zeitungen ihren schlichten Namen tragen (das