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In der Kunst muss wohl ein geheimes Gesetz walten, wenn Dichter wie Dickens oder Gogol in ihrer Zeit für ihr Werk auch die denkbar besten Zeichner fanden, und es ist eine nicht weniger merkwürdige Fügung, daß eine technische Erfindung, wie etwa die Photographie, gleich in den ersten Jahren der Entwicklung ihre schönste künstlerische Blüte hervorbringt, und daß der Mensch bereits irgendwo geboren ist, der im voraus schon dafür gedacht scheint, sich dieser Erfindung aufs glücklichste zu bedienen.
So ist es vorzüglich ein Meister, für den, von oben gesehen, Alois Senefeider den Steindruck hat erfinden müssen: Honoré Daumier. Durch ihn werden bereits alle künstlerischen Möglichkeiten der Steinzeichnung wenn nicht erschöpft, so doch abgegrenzt.
Senefelder war der Sohn eines Schauspielers und versuchte sich selbst in der darstellenden Kunst. Er erfuhr aber dabei »soviel Ungemach«, daß er die Bühne alsbald wieder verließ und zu Schriftstellern begann. Er schrieb ein Stück: »Die Mädchenkenner«. Die Überlegung, Kosten und Zeit auf dem umständlichen Weg vom Verfasser zum Druck vorteilhafter zu gestalten, führte ihn zur Erfindung der Lithographie.
Wie eine Variation über das gleiche Thema mutet es uns an, wenn wir, wieder von oben gesehen, Honoré Daumiers Leben nachgehen, bis er, noch zu Lebzeiten Senefelders, in dessen »Kraftfeld« gerät, wie man die Wirkung eines Ingeniums in der Welt nach ihrer Ausstrahlung und Ausdehnung nennen könnte.
Daumier nämlich war der Sohn eines Glasermeisters und Poeten, stammte also aus einer zwiefach fragilen Profession. »Arm an Wissen in süßer Verborgenheit«, so ungefähr sagt der dichtende Glaser von sich, »werde ich unter dem Einfluß des schönen Himmels bleiben, welchen ich verließ.«
In Verkennung seiner Begabung begibt er sich nach Paris. Um Ruhm zu erlangen, dichtet er huldvolle Gedichte an eben die großen Herren, die sein Sohn später unhuldvoll karikieren wird. »Les pipeaux du pere étaient doux et tendres, le crayon du fils énorme est