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Lob des Herkommens
Die Geburt des Kindes war schwer. Sie dauerte drei Tage. So gut wie leblos kam Goethe zur Welt, »ganz schwarz«, wie die Mutter später erzählte, das heißt in Wirkhchkeit wohl blau durch Atemmangel und Störung des Kreislaufs; Asphyxie ist die medizinische Bezeichnung. Ein Arzt war nicht zugegen, nur eine Hebamme, die sich ungeschickt angestellt haben soll, und die Großmutter. Sie stand hinter den Vorhängen des Bettes, das mit blaugewürfelten Gardinen zugezogen werden konnte. Man schüttelte das Kind, rieb ihm die Herzgrube mit Wein. »Rätin, er lebt!« rief die alte Frau, als das Kind die Augen aufschlug, sehr große, dunkelbraune, fast schwarze Augen.
In seinem Lebensroman Dichtung und Wahrheit beginnt Goethe den Bericht feierhcher und läßt den Glockenschlag zwölf am 28. August 1749 ertönen. Die Astrologen halten die Konstellation für günstig: Die Sonne steht im Zeichen der Jungfrau, kulminierend. Jupiter und Venus sind freundlich, Merkur zeigt sich nicht widerwärtig, was alles für ihn geheimen Sinn auf dem Lebensweg bedeutet. Der volle Mond übt seine Kraft und widersetzt sich der Geburt, bis seine Stunde vorübergegangen.
Eine Wochenstube des 18. Jahrhunderts war auch in wohlhabenden Bürgerhäusern keine hygienische Angelegenheit nach heutigen Begriffen. Wir haben uns den Raum ziemlich dunkel zu denken, mit Butzenscheiben. Das Haus war alt, es bestand eigentlich aus zwei ineinander-gebauten Häusern, mit vielen noch »gothisdien« Unregelmäßigkeiten, vielem Treppauf und Treppab. Man wickelte das Kind eng ein und