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Die mächtigsten Ströme der Erde bestehen aus hartem Eis und erreichen im Normalfall nicht einmal das Tempo einer Schnecke. Dennoch gehören diese gewaltigen Eisflüsse - die Gletscher - zu den eindrucksvollsten und wirksamsten Kräften der Natur. Oftmals bis zu tausend Meter breit und viele Kilometer lang, begraben sie auf ihrem Vormarsch in einigen Gegenden der Erde Hunderttausende Hektar Land unter sich.
Gebirgsgletscher, wie sie hier und auf den folgenden Seiten abgebildet sind, weisen eine verwirrende Vielfalt an Formen und Farben auf - eine Folge der Witterung und der Gegebenheiten des Geländes. Aber wie auch immer die Elemente auf einen Gletscher einwirken, dem Eis gelingt es in der Regel, selbst die härtesten Gesteine zu zertrümmern und mitzureißen. Die Gerölle oder Geschiebe werden an der Gletschersohle und Gletscheroberfläche mitgeschleift und schließlich an anderer Stelle wieder abgelagert. So kommt es zu einer Umgestaltung der Landschaft in gewaltigem Ausmaß.
Wenngleich die heutigen Gletscher nur kümmerliche Überreste der einstigen Eisströme darstellen, bedecken sie doch fast elf Prozent der Landmassen unserer Erde. Eisschilde von einer Mächtigkeit bis zu 4300 Metern ersticken die gesamte Antarktis und fast ganz Grönland, die größte Insel der Welt. Das Gewicht dieser gigantischen Inlandeise - man schätzt es auf etwa 30 Billionen Tonnen - drückt die Erde buchstäblich
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schwinden, so würde sich die Insel um etwa 600 Meter heben. Darüber hinaus bindet das Gletschereis nahezu 90 Prozent des gesamten Süßwassers auf der Erdoberfläche, und die kalte Luft über den ausgedehnten Eisflächen übt einen nachhaltigen Einfluß auf das Klima des gesamten Planeten aus.
In der Neuzeit entwickelte sich das Studium der Gletscher zu einem eigenen Wissenschaftszweig, und man hat eine Reihe von Erkenntnissen über die Bewegung und Wirkung von Gletschern gewonnen. Nicht selten überlagert auch Ehrfurcht die kritische Analyse. So schrieb Mark Twain, der berühmte amerikanische Schriftsteller, in den späten siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts nach einer Reise zu den Schweizer Gletschern: „Ein Mensch, der den Gletschern Gesellschaft leistet, erhält allmählich das Gefühl, daß er einigermaßen unbedeutend ist."
Der Columbia-Gletscher, der sich in einen tiefen Fjord vorschiebt, breitet seinen'Eisteppich an der Südküste Alaskas nahe dem Ölhafen Valdez aus. Der Gletscher befindet sich auf dem Rückzug, und es besteht die Gefahr, daß Tausende von Eisbergen von ihm abbrechen und zu bedrohlichen Hindernissen auf den nahe gelegenen Tanker-Routen werden.